Kindesentführung im Krankenhaus
Markus Niesen | 21. Jul 2005 | Geburt
Zu den Horrorszenarien frischgebackener Eltern gehören mit Sicherheit das Vertauschen des eigenen Babys im Krankenhaus bzw. die Entführung des Neugeborenen aus der Klinik.
Während man in Deutschland noch auf die gesteigerte Aufmerksamkeit der Eltern und des Pflegepersonals vertraut, geht man in Amerika schon einen Schritt weiter und setzt Arm- und Fußbänder für Mütter und deren Babys ein, um ein Vertauschen oder eine Entführung zu verhindern.
Gestern ging dann eine erste Erfolgsmeldung durch die Presse: in einem Krankenhaus im US-Bundesstaat North Carolina konnte letzte Woche eine Kindesentführung dank dieser neuen Technologie verhindert werden.
Der Artikel "RFID im Krankenhaus verhinderte Kindesentführung" erschien auf einem Nachrichtenportal für Computerspezialisten und setzt daher einiges an technischem Verständnis voraus. Die verwendete RFID-Technik wird daher auch nicht weiter erklärt.
RFID steht für Radio Frequency IDentification, was man mit "Funk-Erkennung" übersetzen könnte. Es handelt sich dabei um eine Methode, um Daten berührungslos und ohne Sichtkontakt lesen und speichern zu können.
So senden die im obigen Krankenhaus verwendeten Arm- und Fußbänder alle 10 Sekunden ein Signal an mehrere Empfänger aus, die damit erkennen können, wo sich der jeweilige Träger gerade befindet.
Verlässt nun jemand mit einem Baby auf dem Arm die Säuglingsstation ohne sich vorher offiziell am System abzumelden, so wird ein Alarm ausgelöst und der Wachdienst benachrichtigt.
Ebenso gibt es einen Alarm, wenn das Fußband des Babys nicht zum Armband der Mutter passt und daher ein Vertauschen vorliegt.
Das System ist auch gegen Beschädigungen gesichert und löst auch dann ein Signal aus, wenn jemand eines der Bänder gewaltsam entfernt.
Die RFID-Technologie wird bereits im Rahmen eines Pilotprojektes bei der Patientenidentifikation in einem deutschen Krankenhaus eingesetzt. Es gibt meines Wissens aber noch keine deutschen Krankenhäuser oder Kliniken, die diese Technik zum Schutz ihrer Säuglingsstationen einsetzen.
Man darf bei der ganzen Euphorie um RFID allerdings auch die berechtigten Aussagen der Kritiker und Datenschützer nicht vernachlässigen: die RFID-Chips werden immer kleiner und preiswerter und lassen sich bereits heute auch unter der Haut einpflanzen oder in Kleidung einnähen.
Damit ergeben sich ganz neue Anwendungen: die ständige Überprüfung des Aufenthaltsortes eines Menschen kann mit dieser Technik irgendwann einmal realisiert werden. Der Einstieg in den Überwachungsstaat lässt sich mit RFID daher leichter realisieren.
Bei aller Freude über die vereitelte Entführung und die gute und sinnvolle Nutzung von RFID im obigen Fall sollte man daher stets auch datenschutzrechtliche Aspekte beim Einsatz von RFID berücksichtigen.
Extra-Tipp:
Wer mehr über die RFID-Technologie und deren viele Einsatzmöglichkeiten wissen möchte, dem sei der auch für den Laien verständliche Text in der Wikipedia empfohlen.
Top-Tipp: Limango - Einkaufsgemeinschaft für junge Familien!
| « Kinder und das Internet | Erste Hilfe bei Notfällen » |


