Masernpartys
Markus Niesen | 27. Jul 2005 | Gesundheit
Impfungen für Kleinkinder - es gibt wohl kaum ein Thema welches im Internet ähnlich kontrovers diskutiert wird.
Weil es so schön plakativ ist, geistert in diesen Wochen in diesem Zusammenhang wieder ein hübsch-hässliches Wort durch die Medienlandschaft: Masernpartys.
Nachdem die Masern-Erkrankungen in Hessen und Bayern in der ersten Hälfte des Jahres 2005 drastisch zugenommen haben, wird in den diversen Gesundheitsforen im Internet wieder kontrovers diskutiert.
Impfgegner veranstalten "Masern-Partys", organisierte Treffen, auf denen Menschen absichtlich versuchen, sich oder ihre Kinder mit Masern zu infizieren.
Wenn dann der Nachweis über eine erfolgte Masern-Impfung zur Aufnahmevoraussetzung für den Kindergarten wird, dann sprechen sie - genauso plakativ - von "Masern Mobbing".
Impfbefürworter hingegen bezeichnen Masernpartys als vorsätzliche Körperverletzung.
Wenn gleichzeitig 40 Kinder an einer Montessori-Schule an Masern erkranken, dann wird sofort der gesamte Montessori-Gedanke verteufelt und von einer "Montessorie-Epidemie" gesprochen. (Anm.: Die betroffene Montessori-Schule hat sich ausdrücklich von den Masernpartys distanziert!)
Beide Seiten fahren also schwerste Geschütze auf, um ihren jeweiligen Standpunkt rüberzubringen.
Daher findet man in den unendlichen Weiten des Internets nur wenige halbwegs ausgewogene Texte, die beide Seiten ausreichend berücksichtigen und sachlich über die Masernpartys berichten.
Dass der Trend zu den Masernpartys hingegen gar nicht mehr so neu ist, wird klar, wenn man den wirklich gelungenen Artikel "Impfmuffel in Partylaune" auf netdoktor.de studiert. Bereits Anfang 2001 beschrieb Dr. Hans Haltmeier, ein freier Wissenschaftsjournalist aus München, das Phänomen der Masernpartys.
Irgendwie gewinnt man beim Lesen dieses Artikels allerdings den ernüchternden Eindruck, dass sowohl die Impfkritiker als auch die Impfbefürworter in den letzten Jahren keine nennenswert neuen Argumente hervorgebracht haben.
Die Masern-Partys - und mit ihnen auch der entrüstete Aufschrei ihrer Gegner - werden uns also wohl noch eine Weile begleiten.
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