Nabelschnurblut
Markus Niesen | 9. Aug 2005 | Schwangerschaft | 4 Feedbacks »
Wenn Sie ein Kind erwarten, dann werden Sie garantiert bereits während Ihrer Schwangerschaft mit dem Thema "Nabelschnurblut" konfrontiert.
Entweder stolpern Sie in einer Elternzeitschrift über eine großformatige Anzeige eines Biotechnologie-Unternehmens, dessen Schwerpunkt in der Aufbereitung, Langzeitlagerung und Erforschung menschlicher Nabelschnurblut-Stammzellen liegt, oder sie finden eine Informationsbroschüre dieser Labors im Warteraum Ihres Frauenarztes bzw. bei der Vorbesichtigung in Ihrer Enbindungsklinik.
Nabelschnurblut ist reich an blutbildenden Stammzellen. Diese sind in der Lage, sich in die verschiedenen Blutzelltypen zu entwickeln: rote und weiße Blutzellen sowie Blutplättchen. Damit können die im Nabelschnurblut enthaltenen Stammzellen ähnlich wie die im Knochenmark enthaltenen Stammzellen eingesetzt werden. Sie werden etwa nach einer Chemotherapie und Bestrahlung zur Behandlung einer Leukämie verwendet, um das blutbildende System und das Immunsystem wieder aufzubauen.
Sie haben als (angehende) Eltern die Möglichkeit, das Nabelschnurblut Ihres Kindes entweder kostenpflichtig individuell einzulagern oder es einer öffentlichen Nabelschnurblutbank zu spenden.
Das für Ihr Kind individuell eingelagerte Nabelschnurblut wird nur für es selbst oder für die Verwandten 1. Grades eingesetzt. Wenn Sie das Nabelschnurblut spenden wollen, dann verlieren Sie das Anrecht darauf und es wird bei fremden Menschen verwendet.
Die öffentlichen Nabelschnurblutbanken finanzieren sich durch Spenden, steuerliche Zuschüsse und dem Verkauf der tiefgefrorenen Stammzellen an geeignete Empfänger. Bei einer privaten, individuellen Einlagerung werden die Kosten für die Entnahme, den Transport per Kurierdienst zum Labor, die Bearbeitung und die Aufbewahrung für mindestens 20 Jahre von den Eltern getragen.
Das Nabelschnurblut wird von speziell ausgebildetem Personal direkt nach der Geburt und nach dem Durchtrennen der Nabelschnur völlig schmerzfrei und ohne Risiko für Mutter und Kind gewonnen.
Sie müssen sich allerdings bereits während der Schwangerschaft für eine Entnahme entscheiden, denn die Nabelschnur liefert nur unmittelbar nach der Abtrennung die gewünschten Stammzellen.
Da die öffentlichen Nabelschnurblutbanken mit den privaten Labors konkurrieren und jeder das Nabelschnurblut Ihres Kindes einlagern will, kommen die Befürworter mit Hochglanzprospekten daher und loben den ganzen Vorgang in den höchsten Tönen.
Kritiker halten dagegen, dass das Risiko an Leukämie zu erkranken, relativ gering ist und daher in keinem Verhältnis zu den hohen Kosten für die Einlagerung in einem privaten Labor steht. Sie sagen auch, dass die Menge der gewonnenen Stammzellen zu gering ist und daher nur bei einem Kind oder bei einem Jugendlichen vernünftig eingesetzt werden kann.
Die Befürworter argumentieren wiederum, dass man auch die Stammzellen aus den Nabelschnüren zweier Kinder kombinieren kann. Sie versuchen auch, die gewonnenen Stammzellen künstlich zu vermehren.
Wie man aus den letzten Absätzen leicht erkennen kann, geht es mal wieder um viel Geld. Entsprechend hitzig wird die Diskussion geführt.
Hier die wichtigsten Links zum Thema Nabelschnurblut:
- Private Unternehmen, die Nabelschnurblut einlagern
Besonders auffällig im Markt agiert das Leipzier Unternehmen Vita 34. Es betreibt auch die Domain nabelschnurblut.de, wo es u.a. auch Informationen zu öffentlichen Nabelschnurblutbanken gibt! Die Ärzte dieses Unternehmens tummeln sich auch auf dem Schwangerschaftsportal von qualimedic.de herum und beantworten in einem Expertenforum alle Fragen zum Thema Nabelschnurblut. Vita 34 berichtet unter denke-langfristig.de auch ständig über die neuesten Entwicklungen zum Thema Stammzellen und Nabelschnurblut. Einlagerungskosten: Euro 1.950,- + Euro 30,- jährlich ab dem 1. Geburtstag des Kindes (Stand: August 2005)
Lifecord ist ein österreichisches Unternehmen, das Stammzellen aus dem Nabelschnurblut des Säuglings aufbereitet und lagert. In Deutschland wird es durch die Lifecord.de GmbH mit Sitz in Hamburg vertreten. Wer sich einmal genauer informieren will, wie das Nabelschnurblut entnommen wird, dem sei die Abnahmeanleitung (583 KB; PDF-Datei) empfohlen. Einlagerungskosten: Euro 1.900,- für die ersten 20 Jahre (Stand: August 2005)
Cryo-Save mit Sitz in Aachen ist ein Unternehmen der Life-Sciences Group. Einlagerungskosten: Euro 1.375,- für die ersten 20 Jahre (Stand: August 2005)
BasicCell mit Sitz in Wolfratshausen gehört zur MVB Gruppe. Einlagerungskosten: Euro 2.120,- für die ersten 20 Jahre (Stand: August 2005)
Es gibt noch einige weitere Unternehmen, aber deren Auflistung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.
Bei allen Angeboten können Sie auch eine Ratenzahlung vereinbaren. Manchmal gibt es sogar einen Rabatt für einen frühzeitigen Vertragsabschluss.
Es gibt auch ausländische Unternehmen, die Nabelschnurblut in Deutschland entnehmen und dann irgendwo in einem anderen europäischen Land lagern. Die Einlagerungskosten starten hier bei Euro 850,- (Stand: August 2005).
Der Markt ist wie gesagt heftig umkämpft. - Öffentliche Nabelschnurblutbanken
Öffentliche Nabelschnurblutbanken gibt es in Deutschland in Dresden, Düsseldorf, Freiburg, Mannheim und München. Deren Adressen finden Sie hier. Aus logistischen Gründen können diese das Nabelschnurblut nicht aus größeren Entfernungen akzeptieren. Sie arbeiten daher nur mit Kliniken zusammen, die sich in der näheren Umgebung befinden.
Interessant ist auch dieser eher kritische Text vom Frauengesundheitszentrum in Graz, der sehr ausführlich auf das Thema Nabelschnurblut eingeht.
Generell empfehlen aber diejenigen, die eine eher neutrale Rolle einnehmen, das Blut an eine öffentliche Nabelschnurblutbank zu spenden, damit es dort sinnvoll eingesetzt werden kann.
Es gibt allerdings auch noch eine ganze Reihe von Ausschlusskriterien, die eine spätere Verwendung oder eine Einlagerung des Nabelschnurblutes unmöglich machen. Wenn bei der Probenentnahme nicht genau gearbeitet wurde oder wenn eine medizinische Indikation für eine schwerwiegende Krankheit vorliegt, dann wird entweder erst gar kein Nabelschnurblut entnommen oder dieses wird nach eingehender Prüfung im Labor gleich wieder vernichtet.
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