Journalisten schreiben über das Elternwerden
Markus Niesen | 15. Aug 2005 | Sonstiges
Viele Eltern dokumentieren jede einzelne Woche während der Schwangerschaft oder jeden noch so kleinen Entwicklungs-schritt nach der Geburt des Kindes im Internet.
Ihre Online-Tagebücher entwickeln einen ganz eigenen Charme, weil hier eben Menschen "wie du und ich" schreiben.
Die Autoren dieser öffentlichen Tagebücher gehen in der Regel ganz gewöhnlichen Berufen nach. Sie erleben mit ihren Kindern die gleichen Situationen, die wohl alle Eltern mit ihrem Nachwuchs irgendwann einmal durchgemacht haben. So entsteht schnell eine gemeinsame Basis: man versteht sich, weil man im Prinzip die gleiche Sprache spricht.
Doch es gibt auch einige Profi-Schreiber unter den Eltern: ausgebildete Journalisten, die in ihren eigenen Tagebüchern über ihre neue Rolle als (angehende) Eltern berichten.
Zwei Beispiele:
- Matthias Braun schreibt für DIE ZEIT im Weblog Elternzeit.
In den Geschichten mit seinem (fiktiven?) Kumpel Zänker geht es um das "Kindermachen, Kinderkriegen, Kinderhaben". Natürlich spielt auch das Elternwerden eine große Rolle. Leider erfährt man bei Matthias Braun nur sehr wenig über ihn selbst. Das, was er uns von sich verrät, zeigt aber seine journalistische Klasse:
Matthias Braun ist Jahrgang 1973 und er arbeitete zuletzt für zwei Monate im Rahmen eines internationalen Journalisten-Programmes als Gastredakteur bei der "Moscow Times". Den Abschlussbericht seines Stipendiates findet man nach einigem Stöbern im Netz (70KB, PDF-Dokument). Sein Weblog Elternzeit (seit heute in der Sommerpause, daher eine gute Gelegenheit die alten Geschichten in Ruhe zu studieren!) glänzt mit gelungenen Formulierungen und zielsicherem Humor. Herausragend!Ich hatte erfolgreich ein Studium hinter mich gebracht. In Afrika eine schwere Malaria überlebt. In Moskau eine Woche mit einer fiesen Krankheit, 1000 Dollar Schulden und ohne EC-Karte überlebt. In Budapest einen Taschendieb gestellt und erst gegen Lösegeld wieder laufen lassen.
- Susanne Arndt schreibt für brigitte.de das Baby-Tagebuch.
Seit Januar 2005 befindet sich brigitte.de-Redakteurin Susanne Arndt im Mutterschutz. Von zu Hause aus berichtet sie von ihren Erlebnissen als frischgebackene Mutter. Ihr Sohn Frederik, der im März 2005 zur Welt kam, steht dabei stets im Zentrum des Geschehens.
Die Redakteurin, die sich in den Jahren zuvor auf brigitte.de zu Themen wie "Eltern sind Egoisten" oder "Single sein ist schön" äußerte, erfährt nun die andere Seite der Medaille und berichtet wöchentlich neu von den letzten Ereignissen rund um ihren Sohn.
Zu den Highlights des Baby-Tagebuchs zählen allerdings auch die erbittert geführten Diskussionen in den Kommentaren zu ihren Beiträgen: die Leser ereifern sich über ihre Auswahl der geeigneten Kindertagesstätte für ihren Sohn oder werfen der Redakteurin ein wenig Schönmalerei vor. Doch Susanne Arndt verteidigt ihre Position souverän:
So geht sie unbeeindruckt den eingeschlagenen Weg in ihrem Baby-Tagebuch weiter und verdient sich den Respekt ihrer vielen Leserinnen und Leser! Klasse!Ich weiß natürlich auch, dass statistisch gesehen nur wenige Kinder einen Krippenplatz bekommen. Doch ich finde auch, dass teilweise ein bisschen viel gejammert wird. In meiner (angeblich sehr privilegierten) Erfahrung geht's uns gar nicht so schlecht. Immerhin gibt es in Deutschland Mutterschutz, Elternzeit, Erziehungsgeld und zumindest in Hamburg gibt es unzählige Spielplätze. Bildung ist kostenlos oder zumindest bezahlbar. Von so etwas können Eltern in vielen anderen Ländern nur träumen (Bsp. USA).
Die von den Journalisten geschriebenen Online-Tagebücher bringen somit eine ganz neue Qualität in die Weblogszene.
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