Stammzellen im Fruchtwasser
Markus Niesen | 29. Aug 2005 | Schwangerschaft
Vor zwei Jahren hat die Forschergruppe um den österreichischen Genetiker Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger (Medizinische Genetik, Frauenklinik, Medizinische Universität Wien – AKH) eine mögliche Alternative zu embryonalen Stammzellen entdeckt:
Im Fruchtwasser, das den Fetus während der Schwangerschaft umgibt, konnten hoch potente Stammzellen nachgewiesen werden.
Um diese Fruchtwasserzellen wirklich für therapeutische Zwecke am Menschen einsetzen zu können, ist es jedoch wichtig, diese Zellen zu isolieren und von anderen Zellen, die im Fruchtwasser beinhaltet sind, zu trennen. Dies war jedoch bisher noch nicht möglich.
Erst kürzlich gelang es der Arbeitsgruppe von Prof. Hengstschläger durch Einschleusen eines fluoreszierenden Genprodukts die hochpotenten Stammzellen spezifisch zu markieren und damit aus der Vielzahl verschiedener anderer Fruchtwasserzellen zu isolieren.
Für die so isolierten Stammzellen gibt es viele Anwendungsbereiche: Sie sollen helfen, Blutkrebs zu heilen oder Herzmuskelgewebe nach einem Infarkt wieder neu zu beleben. Die Genetiker träumen auch davon, die Zuckerkrankheit zu bekämpfen bzw. Parkinson oder Alzheimer aus der Welt schaffen.
Prof. Hengstschläger sieht jedoch für die Stammzellen aus dem Fruchtwasser zunächst eine andere Anwendungsmöglichkeit: wenn etwa bei einer Schwangerschaftsvoruntersuchung ein offener Rücken beim Fötus diagnostiziert würde, dann könnten die aus dem Fruchtwasser isolierten Stammzellen verwendet werden, um noch während der Schwangerschaft ein Hautpräparat herzustellen. Dieses könnte gleich nach der Geburt des Kindes im Rahmen einer Operation transplantiert werden. Da die verwendeten Zellen vom Kind selbst stammen, würde die neue Haut vom Kind nicht abgestoßen werden.
Mit den Stammzellen aus dem Fruchtwasser lassen sich also embryonale Stammzellen gewinnen, ohne dass dazu wie sonst üblich ein Embryo erst erzeugt und dann später wieder zerstört werden muss ("therapeutisches Klonen"). Es ist in Deutschland und Österreich nach dem Embryonenschutzgesetz zwar sowieso verboten, menschliche Embryonen für Forschungszwecke zu zerstören, aber sie konnten bisher - unter bestimmten Auflagen - mehr oder weniger problemlos aus dem Ausland importiert werden.
Mit den Stammzellen aus dem Fruchtwasser könnte man daher auch alle ethischen Bedenken, die gegen die Stammzellenforschung sprechen, umgehen.
In den folgenden Artikeln erfährt man mehr über die vielen Einsatzmöglichkeiten der Stammzellen aus dem Fruchtwasser. Sie beantworten auch die Frage, warum diese besser sein sollen als Stammzellen, die aus Nabelschnurblut gewonnen wurden:
- Stammzellen in der Wikipedia
- Stammzellen im Fruchtwasser auf wdr.de
- Ersatzhaut aus Fruchtwasser auf DiePresse.com
- Ethisch unbedenklich: Stammzellen aus dem Fruchtwasser auf orf.at
- Revolution an der Quelle des Lebens auf nachlese.at
In den nächsten Jahren wird sich die Genetik sicherlich noch sehr viel deutlicher als heutzutage in den Vordergrund der medizinischen Nachrichtenlage drängen.
Spannende Zeiten stehen uns bevor.
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