Polkörperdiagnostik
Markus Niesen | 6. Okt 2005 | Schwangerschaft | 3 Feedbacks »
Der Mann ist mir irgendwie unheimlich!
Der österreichische Genetiker Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger (Medizinische Genetik, Frauenklinik, Medizi-nische Universität Wien – AKH) ist mit Sicherheit ein ganz ausgezeichneter Selbstdar-steller, dem es immer wieder gelingt, sich mit aufregenden Geschichten ("Stammzellen im Fruchtwasser") in die Öffentlichkeit zu drängen.
Er macht dabei allerdings auch Sachen, bei denen es mir immer irgendwie in der Bauchgegend grummelt.
Ok, ich muss zugeben, dass ich noch nie etwas von Polkörperdiagnostik gehört hatte. So traf mich das Thema gänzlich unvorbereitet.
Wie gut, dass es das ganz ausgezeichnete wunschkinder.net von Dr. med. Elmar Breitbach gibt. Er ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Niemand in Deutschland kann komplexe medizinische Sachverhalte so schön verständlich erklären wie er.
Bei ihm lernen wir dann auch, dass die Polkörperdiagnostik entwickelt wurde, um die genetischen Untersuchungen am Embryo, die in Deutschland und Österreich nicht erlaubt sind, zu umgehen.
Mit der Untersuchung der Polkörperchen einer befruchteten Eizelle, welche nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz nicht explizit verboten ist, versucht man Aufschluss über die chromosomale Ausstattung des zukünftigen Embryos zu erhalten. Damit kann man genetische Fehlbildungen (etwa Trisomien) frühzeitig erkennen oder bei Frauen mit Erbkrankheiten nur die Eizellen auszuwählen, welche das "kranke" Gen nicht tragen.
So weit, so gut.
Doch zurück zu Prof. Dr. Markus Hengstschläger. Dieser kann nun stolz vermelden, dass in Österreich zum ersten Mal eine Schwangerschaft nach Polkörperdiagnostik erreicht wurde. Die 34-jährige Frau ist in der 8. Schwangerschaftswoche und sie erwartet Zwillinge, nachdem ihr zwei genetisch einwandfreie Eizellen (aus fünf mit der Polkörperdiagnostik untersuchten Eizellen!) eingesetzt wurden.
Aber auch dieser Artikel muss explizit erwähnen, dass das gewählte Verfahren im Einklang mit dem österreichischen Fortpflanzungsmedizingesetz ist: "noch vor der Verschmelzung des genetischen Materials von Mann und Frau - werden die beiden noch vorhandenen Polkörper der Eizelle entnommen. Es handelt sich also streng genommen noch nicht um einen Embryo."
Und dieses verdammte "streng genommen" ist genau das, was mir solche Magenschmerzen bereitet:
Die Reproduktionsmediziner wissen, dass sie sich in einem ethischen Grenzbereich befinden, aber sie dehnen diese Grenzen mit ihren Forschungen immer weiter aus.
Der medizinische Laie versteht die komplexen genetischen Zusammenhänge nicht vollständig und hat daher ständig das Gefühl, dass dort irgendetwas entwickelt wird, was er mit seinem Gewissen nicht so einfach vereinbaren kann.
Prof. Dr. Hengstschläger mit seinen vielen Veröffentlichungen und mit seinem "Überflieger-Status" in der Reproduktionsmedizin ist aber genau nicht der Mann, der uns diese Ängste nehmen kann.
Daher brauchen wir mehr Ärzte wie Dr. Breitbach, die unermüdlich und stets ruhig und besonnen unsere vielen Fragen zu diesem Thema beantworten.
Dr. Breitbach hat sich bereits einmal in den Kommentaren auf baby-blog.de verewigt.
Ich bin daher äußerst gespannt, ob er auch zu diesem Thema etwas Licht in das Dunkel bringen kann. ![]()
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2 Kommentare, 1 Trackback
Im Baby Blog ist aktuell ein Artikel eingestellt, der sich mit der ersten Schwangerschaft nach Polkörperchen-Diagnostik (PKD)in Österreich beschäftigt, die kürzlich auch in der Laienpresse Beachtung fand. Und den damit verbundenen Bauchschmerzen de...
EB
Für alle, die sich mit den Trackbacks bei den Blogs nicht so gut auskennen, ist hier noch einmal der Link zu seinem Artikel.
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