Frühchenmode aus Behindertenwerkstätten
Markus Niesen | 22. Nov 2005 | Baby Kleidung
Jedes Unternehmen, welches Behindertenwerkstätten in den Wertschöpfungsprozess einbezieht, würde dies auf der eigenen Website verkünden. Man ist schließlich stolz auf das soziale Engagement und freut sich darüber, gleichzeitig etwas Gutes zu tun.
Zudem hebt die Arbeit mit den Behindertenwerkstätten das Unternehmen positiv aus der Masse der Wettbewerber heraus.
Da dies bei den Kunden in der Regel gut ankommt, würde sich kaum jemand diesen strategischen Vorteil entgehen lassen und daher schnell einen entsprechenden Hinweis auf die Website einbauen.
Wenn ein Unternehmen allerdings Frühchenmode herstellt, dann sendet die Arbeit mit den Behindertenwerkstätten ein falsches Signal in den Markt. Denn die zu früh geborenen Babys haben viele, viele Probleme und die Eltern machen sich zu Recht Sorgen um die weitere Entwicklung ihrer Sprösslinge. So ist es nicht verwunderlich, dass Frühcheneltern mit dem Thema Behinderung oft große psychologische Probleme haben.
Daher nutzen Annette Thielen-Kuhlmann, die vor sechs Jahren in der 26. Schwangerschaftswoche ihren 670 Gramm schweren und nur 31,5 cm großen Sohn Jonas zur Welt brachte, und ihre Partnerin Claudia Schulte diesen strategischen Vorteil für ihre Frühchenmode nicht: auf kaenguru-mode.de befindet sich kein einziger Hinweis darauf, dass ca. 80% der Ware in Behindertenwerkstätten genäht wird und dass alle ihre Artikel zu 100% in Deutschland hergestellt werden.
Um die Gefühle der Eltern von Frühgeborenen nicht zu verletzen, verschweigen die beiden einen entscheidenden Vorteil, welcher sie von ihren Wettbewerbern absetzen könnte.
Sie stellen damit Ihr eigenes Business hinter die berechtigten Interessen ihrer Kunden.
Auf ihrer eigenen Website können und wollen Sie daher ihre Arbeit mit den Behindertenwerkstätten nicht erwähnen, doch ein unabhängiger Beobachter wie ich kann natürlich getrost auf diese Tatsache hinweisen:
Hier haben zwei Unternehmerinnen ganz klar verstanden, wie man gefühlvolle Geschäfte macht.
Und dafür haben Sie unseren Respekt verdient!
Top-Tipp: Limango - Einkaufsgemeinschaft für junge Familien!
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2 Kommentare
Und warum sie nicht mit "Made in Germany" wirbt? Das wissen die Götter...
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