Indische Bettlerin kauft Baby
Markus Niesen | 10. Jan 2006 | Finanzen
Wenn man wie ich mehrere Jahre in Asien gelebt hat, dann kann einen die folgende Story nicht wirklich überraschen:
In Indien hat eine Großmutter ihren Enkel für 50 Euro an eine Bettlerin verkauft. Die Käuferin hat das Kind wahrscheinlich erworben, um beim Betteln mehr Mitleid zu erregen.
Eine ziemlich verrückte Geschichte, die uns hier in Europa reichlich exotisch vorkommt.
Doch Babys als Anhängsel einer Bettlerin gehören in Asien zum Alltag. In Indonesien leihen sich Bettlerinnen ohne eigene Kinder ein geeignetes Baby, um mehr Einnahmen zu erzielen.
Die Bettlerin fungiert als kostenlose Babysitterin, die der Mutter das Kind für ein paar Stunden abnimmt.
Damit die Kinder bei der harten Arbeit in Lärm und Gestank an der nächsten großen Ampel nicht völlig apathisch reagieren und durch ihr Weinen das Geschäft ruinieren, werden sie oft durch irgendwelche Medikamente ruhig gestellt.
Die leibliche Mutter erhält auch nicht unbedingt ihr Kind wieder zurück. Fälle von Kindesentführung sind an der Tagesordnung. Wenn das Geschäft mit dem Baby gut funktioniert, muss irgendwann eine andere Ampel auf einer anderen indonesischen Insel herhalten, um sich dem Zugriff der leiblichen Mutter und der Verfolgungsbehörden zu entziehen.
Doch wie verzweifelt muss erst eine Bettlerin sein, die ihr Kind verstümmelt, um höhere Einnahmen zu erzielen?
Mir wird leider erst jetzt bei dieser Fragestellung klar, dass mir irgendwie die Probleme der Bettlerinnen mit ihren Babys während meiner Zeit in Asien nie so richtig bewusst geworden sind.
Man lernt leider viel zu schnell, über gewisse Unanehmlichkeiten im Alltag hinwegzusehen und zum Selbstschutz unschöne Dinge einfach aus dem eigenen Leben auszublenden.
Prinzipiell bietet eine Story wie diese aber mal wieder einen idealen Anlass, um noch einmal über das eigene Leben nachzudenken und sich mal wieder ganz fest davon zu überzeugen, wie gut wir es doch eigentlich haben.
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