Toy Innovation Award 2006
Markus Niesen | 3. Feb 2006 | Entwicklung
Die Spielzeugbranche trifft sich in diesen Tagen zum 57. Mal auf der Internationalen Nürnberger Spielwarenmesse. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird auch zum 3. Mal der Toy Innovation Award vergeben. Hierbei stehen neue und originelle Spielideen im Mittelpunkt des Interesses.
Die Preisträger des Jahres 2006 "zeichnen sich alle durch Originalität oder technologische Innovationen, und besonders durch die sensible Umsetzung kindlicher oder generationsübergreifender Spielbedürfnisse aus."
Bei "generationsübergreifenden Spielbedürfnissen" fällt mir spontan die Spielzeugeisenbahn ein, die ich mir als stolzer Vater gönnen wollte, wenn meine Frau und ich einen Sohn bekommen hätten. Na ja und die "sensible Umsetzung kindlicher Spielbedürfnisse" klingt spannender als es wahrscheinlich in Wirklichkeit ist.
Doch schauen wir uns die Gewinner des Toy Innovation Awards 2006 einmal in Ruhe an:
Zunächst sehen wir in der Kategorie "Kreative Innovation" ein wirklich überraschendes Spielzeug aus Pappe (!) zu einem familienbudgetfreundlichen Preis. Wir erleben "mehrere Dimensionen der Kreativität", weil die Kinder hier erst bauen und dann die Karton-Formen individuell bemalen und bekleben sollen. Ich finde die Idee und die Umsetzung irgendwie gut, aber wenn dies die kreativste Innovation der gesamten Spielwarenbranche sein soll, dann kann es um die Entwicklungsteams in den Firmen nicht allzu gut bestellt sein.
In der Kategorie "Teamfördernde Innovation" hat ein generationenübergreifendes Spiel von "6 bis 99" gewonnen, welches im Dunkeln (!) gespielt werden soll. "Die Nacht der Magier" reitet auf der Harry Potter-Welle mit und arbeitet mit "geheimnisvoll fluoreszierenden" Effekten. Ob das Spiel seine 39,- Euro wert ist, kann man nur schwer erahnen ohne es gesehen zu haben. Rein gefühlsmäßig würde ich aber sagen, dass hier jemand eine wirklich kreative Idee gehabt hat, die den Titel "Innovation" wohl zu Recht trägt.
In der eher kryptischen Kategorie "Edukative Innovation" gewinnt mit der TV Learning Station ein Spielecomputer, der an das Fernsehen angeschlossen werden soll. Das Gerät läuft nur mit proprietären Zusatzkassetten, die den ohnehin schon nicht ganz billigen Einstiegspreis schnell in die Höhe schießen lassen. In meinen Augen sind diese Systeme überflüssig wie ein Kropf. Ich finde gut gemachte DVDs oder CD-ROMs für den heimischen Computer um Klassen besser. Aber diese sind leider nicht so innovativ.
Dann folgt die Kategorie "Technische Innovation" und hier schaut uns ein enorm beeindruckender "Nr. 5"-Roboter von Lego entgegen. Das ist natürlich wieder einmal ein Spielzeug für den Geek in mir, aber ... auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen ... ich habe nun einmal keinen Sohn. ![]()
Nach einem verstohlenen Blick auf das Preisschild bin ich dann auch richtig froh, eine süße, kleine Tochter zu haben, die in den nächsten Jahren so ein Spielzeug noch nicht brauchen wird. ![]()
Die restlichen Awards ziehen schnell an mir vorüber, weil sie mich nur wenig beeindrucken: in der Kategorie "Fun & Erlebnis Innovation" gewinnt ein Plastikboot und in der Kategorie "Trend Innovation" reiten die Firmen auf ihrer Fußballweltmeisterschaft-Lizenz rum.
Das ist genauso naheliegend wie langweilig und der TIPP-KICK-Verschnitt "Playmobil Fußball" kann nicht wirklich überzeugen.
Mit der Kategorie "Welt im Kleinen Innovation" kann ich so gar nichts anfangen und auch hier überrascht mich der für meinen Geschmack extrem hohe Preis für ein wenig Plastikspielzeug fast schon gar nicht mehr.
Bleibt noch die "Kategorie: Geschicklichkeit Innovation" und hier hat mit Equilibrio ein Produkt gewonnen, das ich für sehr vielversprechend halte. Anscheinend wird das von mir so geliebte Tangram-Puzzle hier in die dritte Dimension gebracht und man darf nun Türmchen bauen. Ähnlich wie Tangram scheint dies allerdings eher ein Spiel für ältere Kinder und begeisterungsfähige Väter und Mütter zu sein.
Fazit:
Alles in allem ein eher durchwachsenes Angebot. Die Preisfindung scheint bei vielen Produkten mit dem Würfel zu erfolgen, denn es ist zunächst einmal nur schwer nachvollziehbar, warum ein wenig Plastik oder ein paar Holzsteinchen diese hohen Preise nach sich ziehen müssen.
Meine perönlichen Favoriten sind "Equilibrio" und die "Die Nacht der Magier" und ab heute werde ich meiner Tochter erklären müssen, warum sie diesen Lego-Roboter zukünftig ganz toll finden wird. ![]()
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