Vorsorgeuntersuchungen
Markus Niesen | 4. Jul 2006 | Gesundheit
Bevor Eltern nach der Geburt eines Babys das Krankenhaus verlassen, hat dieses bereits eine oder zwei Vorsorgeuntersuchungen hinter sich.
Die Vorsorgeuntersuchungen dienen der Früherkennung von Krankheiten und Entwicklungsstörungen und begleiten die Kinder durch die ersten Lebensjahre.
Die insgesamt neun Vorsorgeuntersuchungen, die auch mit U1 bis U9 bezeichnet werden, werden in einem gelben Heft erfasst, in dem alle Untersuchungsergebnisse notiert werden.
Die ersten sechs Untersuchungen finden im ersten Lebensjahr des Babys statt. Fast alle Eltern nehmen diese Untersuchungstermine mit ihrem Nachwuchs auch wahr. Ab der 7. Vorsorgeuntersuchung am Ende des 2. Lebensjahres des Kindes gehen die Zahlen aber drastisch zurück.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
- soziale Distanz zu Institutionen und Personen der Medizin
- mangelnde Handlungsfähigkeit (kognitive Fähigkeiten, Kommunikations-, Durchsetzungsfähigkeit)
- praktische Gründe (z.B. Unterbrechung der familialen Routine, Terminfindung)
- Versäumnis/Vergessen
- fehlende Informationen (z.B. über Untersuchungsangebot, Impfmöglichkeiten, Sinn der Untersuchungen)
- negatives Feedback, fehlende positive Resonanz
- Angst, Scham, landestypische gesundheitsbezogene Einstellungen
Um die Teilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter (U7, U8 und U9) zu erhöhen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) die Aktion "Ich geh' zur U!" entwickelt. Im Rahmen dieser Maßnahme sollen Eltern über Plakate und Infoflyer motiviert werden, die anstehenden Früherkennungsuntersuchungen durchzuführen und den Impfstatus zu überprüfen.
Um die Eltern der Kinder zu erreichen, wurden Kinderärzte, Hebammen, Kindergärten und Kindertagesstätten als Partner gewonnen. Kinder, die nach dem Start der Aktion zur U7, U8 und U9 gehen erhalten zur Belohnung ein entsprechendes U-T-Shirt von der ErzieherIn in der Kindertagesstätte.
Wenn möglichst viele Kinder eines Kindergartens solch ein T-Shirt besitzen, soll ein witziges Foto gemacht und zum Wettbewerb an die BZgA eingeschickt werden. Die Kindergärten mit den besten Fotos erhalten einen kleinen Geldpreis.
So weit, so gut!
Wie es sich für eine Aktion dieser Größenordnung gehört, gibt es dazu dann auch eine eigene Website.
Auf den ersten Blick kommt diese sehr gut daher: die Farben stimmen, die Bilder sind pfiffig, die Navigation ist einfach und übersichtlich.
Leider glaubt man bei der BZgA allerdings, dass bei dieser Website die eigene Leistung im Vordergrund stehen sollte und erklärt in aller epischen Breite die Aktion, die Wettbewerbe und die Hintergründe. Man vergisst auch nicht, sich selbst zu feiern, in dem man auf die vielen positiven Presseberichterstattungen hinweist.
Die Eltern, um die es bei dieser Aktion eigentlich gehen sollte, werden mit ein paar einfachen Broschüren abgespeist, die man sich herunterladen kann.
Doch langweilige Broschüren können nicht das Maß aller Dinge sein. Denn Eltern wollen kurze und knappe Facts und viele, gute Gründe, warum sie ihre Kinder zu den Vorsorgeuntersuchungen bringen sollen.
So wird wieder einmal bei einer öffentlichen Website die große Chance vertan, auch tatsächlich etwas zu bewegen (hier ein anderes Beispiel).
Denn die Website mit dem für eine Behörde nahezu typischen Domainnamen ich-geh-zur-u.de perlt an Eltern ergebnislos ab und ist gleich nach dem ersten Besuch wieder vergessen.
So nicht!
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