Amerikanische Frühförderung
Markus Niesen | 26. Jul 2006 | Entwicklung | Sende Feedback »
Amerikanische Babys sollen schon mit sechs Monaten die Windel ablegen und mit drei Jahren lesen lernen.
So steht es einleitend in einem Artikel von Markus Günther, der in diesen Tagen von mehreren deutschen Tageszei-tungen veröffentlicht wurde.
Und dieser Markus Günther weiß, wovon er spricht: er ist ein deutscher Journalist, der seit mehreren Jahren als Korrespondent in Washington lebt. Mit dem Buch "Gesichter Amerikas" - Reportagen aus dem Land der unbegrenzten Widersprüche, hält Markus Günther ein Plädoyer dafür, es sich mit dem Bild über die USA nicht zu leicht zu machen.
Auch ich habe mich auf dem Baby-Blog bereits mehrfach belustigt über die amerikanische Frühförderung geäußert: In "Toilettentraining für kleine Jungs" und "Sauberkeitserziehung einmal anders" ist ganz klar zum Ausdruck gekommen, dass ich von einer solchen Erziehung überhaupt nichts halte.
Und die kindliche Frühförderung in Form von Helen Doron Englisch-Kursen, Kunon Mathematik-Kursen und Musikgarten Musik-Kursen ist nach den schlechten Pisa-Ergebnissen längst auch in diesen Breitengraden ein großes Thema.
Zumindest bei mir setzt jedoch so langsam ein Umdenken ein: Denn im Sinne des Buches von Markus Günther darf man beim Lesen des folgenden Artikels nicht einfach nur wieder ungläubig mit dem Kopf schütteln und sich mit dem Zeigefinger an die Stirn tippen.
Bei aller Amerika-Kritik darf man nämlich auch nicht vergessen, dass die Amerikaner diesem Kontinent viele heute längst für selbstverständlich erachtete Innovationen gebracht haben. Unzählige Trends hatten ihren Ursprung in Amerika und schwappten mit einiger Verzögerung über den Atlantik auch zu uns herüber.
Ich bin mir allerdings noch nicht so ganz sicher, ob sich die Amerikaner mit ihrer Frühförderung nicht auf einer gefährlichen Einbahnstraße befinden. Zunächst scheint sich dieses Phänomen ja auch nur in der oberen amerikanischen Mittelschicht zu finden.
Dennoch lohnt sich der Blick über den großen Teich, um zu sehen, was auf unsere Kinder alles noch zukommen könnte.
Insofern ist "Schluss mit dem ganzen Baby-Kram" ein durchaus bemerkenswerter Artikel und für mich absolut kein Grund mehr, sich über die für uns seltsam anmutenden Erziehungsmethoden der Amerikaner lustig zu machen.
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