Mädchen oder Junge?
Markus Niesen | 28. Aug 2006 | Schwangerschaft
Wohl jeder von uns kennt eine Familie mit drei Jungen oder vier Mädchen, die bei der nächsten Schwangerschaft gerne ein Baby mit dem jeweils anderen Geschlecht haben würden.
Und wohl jeder von uns kennt auch die vielen gutgemeinten Tipps befreundeter Paare und Verwandter, die uns mit ihren Theorien zur Geschlechtsbestimmung beglücken.
In einem Umfeld mit einem solch starken Verlangen nach einer funktionierenden Lösung findet man dann natürlich auch sehr schnell clevere Unternehmer, die in diesem Bereich ihr Geld verdienen wollen:
Man nehme ein billiges Thermometer, ein paar Ovulations-Teststäbchen, eine Vaginaldusche und zwei nicht näher definierte Nahrungsergänzungsmittel und packe alles in ein schönes, großes Paket. Anschließend lege man noch ein paar Vordrucke für Temperaturkurven und eine kleine Broschüre mit Ernährungstipps obenauf.
Jetzt muss man nur noch schnell eine schöne Website erstellen und eine klinische Studie beauftragen, die eine Erfolgsgarantie von 96 Prozent verspricht.
Da man mit ein wenig Recherche im Internet und einem kurzen Trip zum nächsten Drogeriemarkt oder in die nahegelegene Apotheke im Prinzip das gleiche Resultat erzielen kann, ist die Preisfindung die schwierigste Aufgabe bei der ganzen Geschichte.
Denn der Preis muss einerseits so hoch sein, dass er dem geneigten Interessenten Glaubwürdigkeit und Erfolg verspricht, andererseits darf er sich aber auch nicht zu weit von dem geringen Warenwert der einzelnen Produkte im Paket entfernen.
Einen zunächst als sehr hoch erscheinenden Preis (in diesem Fall mindestens 199,- US-Dollar zzgl. Versandkosten) kann man allerdings mit einer fragwürdigen "Geld zurück"-Garantie etwas abfedern, die im Falle eines Misserfolges zumindest den Kaufpreis zurückerstattet.
Denn im Prinzip ist es ja völlig egal, was ich in das Paket lege (schöne Dessous, Comics, Bonbons, Vitaminpräparate, etc.) ... die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ich meine "Geld zurück"-Garantie überhaupt nicht brauche, weil sich eben das gewünschte Geschlecht des Kindes tatsächlich eingestellt hat, liegt bei rund 50 Prozent.
Wenn also der Verkaufspreis bei einem geringen Warenwert nur hoch genug ist, dann mache ich in jedem Fall Geld, ganz gleich, wie oft mir die nicht funktionierenden Pakete wieder zurück ins Haus geschickt werden.
Insofern ist GenSelect quasi die Lizenz zum Geld drucken. An dieser Website kann man sehr schön sehen, wie man mit geschicktem Marketing ein tatsächlich vorhandenes Kundenbedürfnis zufriedenstellend bedienen kann.
Wenn Eltern (in ihrer ganzen Verzweiflung!) tatsächlich das Geschlecht ihres Kindes möglichst exakt vorherbestimmen will, dann haben sie kein Ohr mehr für irgendwelche Kritiker.
(gefunden u.a. bei "man muss ja nicht immer reden")
Top-Tipp: Limango - Einkaufsgemeinschaft für junge Familien!
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