Babymoon - Luxusurlaub für Schwangere
Markus Niesen | 13. Sep 2006 | Schwangerschaft
Seit einiger Zeit versucht die Reisebranche einen neuen Trend herbeizuschreiben: Babymoon, einen Luxus-Wohlfühlurlaub für werdende Eltern.
Die Idee stammt aus Amerika und ist eigentlich ganz gut: eine schwangere Frau soll mit ihrem Partner noch einmal ein paar Tage lustvoll entspannen, bevor das Baby auf die Welt kommt und das Leben der beiden komplett umkrempelt.
Angelehnt an den Honeymoon, das amerikanische Wort für die Flitterwochen oder eine Hochzeitsreise, wurde mit Babymoon auch gleich ein einprägsamer Begriff für diese Art von Urlaub geprägt.
In Europa griffen die Iren diesen Trend als Erste auf, doch die meisten Babymoon-Angebote gibt es zurzeit in unserem Nachbarland Österreich.
Das Problem daran ist nur, dass bestehende Hotels oder Spas ihr reguläres Angebot nur für die neu identifizierte Zielgruppe der Schwangeren samt Partner anpassen.
So entstehen etwas "bemühte" Pakete, die mit sämtlichen Klischees daherkommen: Neben dem gewöhnlichen Hotelaufenthalt gibt es dann beispielsweise "Gewürzgurken zur freien Entnahme" oder einem "Naschkorb in der Suite".
Im Wellnessbereich sieht es ähnlich düster aus: neben dem üblichen Massageangebot erhält die Schwangere zum Beispiel noch eine "Spezialdehnungsstreifencreme zur Nachbehandlung zu Hause" als Zugabe.
Niemand scheint sich wirklich so richtig in die Lage der Erstgebärenden versetzt zu haben. Denn Paare, die ihr erstes Kind erwarten, haben mit ihrem ganzen Nestbautrieb und den vielen Gedanken über eine neue Wohnung oder ein größeres Auto eine aufgabenreiche Zeit vor und hinter sich, wenn sie sich im fünften bis siebten Schwangerschaftsmonat ein paar Tage Auszeit für den Babymoon gönnen.
Denn ein paar Gürkchen oder Trüffelpralinen auf dem Kopfkissen sind nicht wirklich das, was angehende Eltern in dieser Phase brauchen. Die ganzen Massagen für die Frau und das gleichzeitig stattfindende Aktivprogramm für den Mann (Golf, Tauchen, Mountainbiking) sind zwar gut gemeint, erfüllen aber nicht den Bedarf des Paares nach ein paar Tagen ruhiger Reflexion auf das Kommende.
Die Paare werden beim Babymoon auseinander gerissen und gehen getrennten Aktivitäten nach, nur um sich dann abends nach dem Gala-Dinner gemeinsam schweigend einige mehr oder weniger sinnvolle DVDs (bevorzugte Titel: "Guck mal, wer da spricht!", "Der Kindergarten-Cop", "Drei Männer und ein Baby", etc.) vor dem Schlafengehen anzuschauen.
Was bei all diesen Babymoon-Angeboten fehlt ist ausreichend Zeit füreinander. Es gibt weder Planungshilfen für die Zeit nach bzw. mit dem Baby, noch geeignete Programmpunkte, die beide Elternteile gemeinsam nach vorne bringen könnten.
So wird der Trend zum Babymoon, der zurzeit noch wirklich keiner ist, wohl auch zukünftig nur eine Wunschvorstellung der Reiseindustrie bleiben, wenn nicht ganz entschieden an den Programmen gearbeitet wird.
Das zurzeit vorhandene Angebot kann man sich hier anschauen:
- gina.at, ein Baby- und Kinderhotel am Faaker See in Österreich, welches sein bestehendes Programm bereits relativ früh auf Babymooner angepasst hat,
- babymooner.at, ein "exquisit-romantischer Urlaub" im Schloss an der Eisenstrasse für alle Babymooner,
- wellnessfinder.de, ein Online-Portal für Wellness, Beauty, Fitness und Gesundheit, welches eine eigene Seite mit Wellness-Angeboten für werdende und junge Mütter erstellt hat.
Über eine Suche im Internet mit dem Begriff "Babymoon" findet man vereinzelt auch noch weitere Angebote.
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