Pränataldiagnostik: "Schwangerschaft auf Probe"
Markus Niesen | 3. Nov 2006 | Schwangerschaft
In der heutigen Ausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung befindet sich ein bemerkenswerter Artikel von Bastian Obermayer, der extrem nachdenklich macht:
Es geht dabei um die Tatsache, dass immer weniger behinderte Babys geboren werden, weil die stetig verbesserte Pränataldiagnostik bestimmte Krankheiten bereits vor der Geburt erkennen lässt und sich infolgedessen mehr und mehr Eltern für eine (auch späte!) Abtreibung entscheiden.
Der Artikel schildert ausführlich die Beweggründe der Eltern, die sich für eine Abtreibung entschieden haben und erwähnt auch die Gewissenskonflikte und die Angst vor Schadenersatzforderungen, die Ärzte dazu zwingen, die Eltern zu einer Abtreibung zu motivieren.
Durch die vielen Optionen der Pränataldiagnostik entstand so die Idee einer "Schwangerschaft auf Probe": viele angehende Eltern halten ihr Baby erst dann für erstrebenswert, wenn ein Arzt nach zahlreichen Untersuchungen grünes Licht für die Schwangerschaft signalisiert hat und gleichzeitig damit bestätigt hat, dass das Kind nicht behindert zur Welt kommen wird.
Zum Glück nennt der Beitrag aber auch die Beispiele einiger Eltern, die sich ganz bewusst für ein behindertes Kind entschieden haben und die die gut gemeinten Ratschläge der Ärzte und Krankenschwestern sowie die verständnislosen Argumente der Freunde und Bekannten ignoriert haben.
Letztendlich muss wohl jedes Elternpaar für sich selbst entscheiden, ob es nach der Diagnose einer schweren Krankheit zum letzten Mittel der Abtreibung greift oder ob nicht.
Dennoch geht der Artikel über die Behinderten, die "Vom Aussterben bedroht" sind, nicht so ganz spurlos an Eltern vorüber:
Selbst wenn man im Moment kein eigenes Kind erwartet, wird man nach dem Lesen dieses Artikels mit Sicherheit über die unbequemen Fragestellungen der Pränataldiagnostik nachdenken.
Absolut empfehlenswert!
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