Tricks beim Elterngeld
Markus Niesen | 28. Nov 2006 | Finanzen
Das Elterngeld rückt immer näher und die beschlossene Stichtagsregelung treibt - wie zu erwarten war - skurile Blüten:
Alle Eltern von Babys, die noch in diesem Jahr geboren werden, werden weiterhin Erziehungsgeld erhalten. Dies gilt auch dann, wenn das Baby am 31. Dezember 2006 um 23.59 Uhr geboren wird.
Bei allen Babys, die im neuen Jahr ab 0.00 Uhr am 01. Januar 2007 geboren werden, erhalten die Eltern das neue Elterngeld.
Da es keine Übergangsfrist gibt, schafft dies natürlich Ungerechtigkeiten:
Wenn das Baby wohlhabender Eltern nach dem 01. Januar 2007 geboren wird, so können diese maximal 25.200,- Euro (14 Monate lang je 1.800,- Euro) Elterngeld erhalten. Kommt das Baby hingegen noch in diesem Jahr zur Welt, so erhalten diese Eltern in der Regel kein Erziehungsgeld, weil sie die Freibetragsgrenzen bei den Einkünften (30.000 Euro Jahresnettoeinkommen) übersteigen. Daher lohnt es sich eventuell eine um den Jahreswechsel anstehende Geburt einfach ein paar Tage hinauszuzögern.
Umgekehrt sieht es bei den Geringverdienern aus: wer zurzeit nur geringe monatliche Einkünfte hat, für den ist es besser, wenn das Kind noch in diesem Jahr auf die Welt kommt. Denn dann würde noch das alte Erziehungsgeld greifen und es gäbe zumindest 5.400,- Euro (12 Monate lang je 450,- Euro) vom Staat. Wenn das Kind erst im neuen Jahr geboren wird, dann greift der Mindestsatz des Elterngeldes und es gibt maximal 4.200,- Euro (14 Monate lang je 300,- Euro).
So versuchen Eltern, die ihr Baby rund um den Jahreswechsel 2006/2007 erwarten, je nach finanzieller Situation ein wenig zu tricksen: der Geburtstermin wird (so gut es geht!) entweder ein wenig beschleunigt oder aber die Geburt ein paar Tage hinausgezögert.
Die Tricks beim Elterngeld rund um den Jahreswechsel 2006/2007 (Wehenhemmer, Magnesium, Wehenverstärker, Vordatieren, usw.) und die Überlegungen der betroffenen Eltern, Ärzte und Hebammen beschreiben zwei lesenswerte Artikel auf welt.de und n24.de.
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1 Kommentar
So fühlt wes sich also an, wenn man durch das politisch kalkulierte Raster fällt
Die von den regierenden Politikern öffentlich geführten Diskussionen um Kinder- und Familienunterstützung nerven. Man muss das Radio ausschalten, Artikel in Zeitungen überspringen – man kann diese unehrlichen Argumente nicht mehr hören. Alles für sich genommen, passt nicht wirklich zum Thema, weil ungeheuer kompliziert, mit tausend Haken und Ösen versehen. Wollen wir Krippenplätze? Dann los und machen! Wollen wir Familien einfach unterstützen? Dann los und alle den gleichen Steuerfreibetrag oder Kindergeld geben und fertig.
Bitte denken Sie doch an Eltern mit Kindern, die vor dem 1.1.2007 geboren wurden und die bis 2013 auch schon älter als 3 Jahre sein werden. An Eltern, die einfach verheiratet sind, also auch über die trickreiche Familiengestaltung der Alleinerziehenden kein Geld oder Krippenplätze bekommen, die stets harmlose Angestellte sind / waren, brav ihre Steuern zahlen, und und und. Ich bin fest davon überzeugt, dass z.B. ich selbst zu der hochgerechneten Masse gehöre, deren Politikverdrossenheit und Deutschlandmüdigkeit einkalkuliert wurde.
Achja, und dann wird so jemandem wie Eva Herrmann eine Plattform gegeben, wahrscheinlich auch politisch abgekatert, um unsere Regierenden fortschrittlich erscheinen zu lassen.
Katja Herbst., Oberursel
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