Vernachlässigung: Mutter ließ Baby verdursten
Markus Niesen | 16. Dez 2006 | Sonstiges
Im thüringischen Sömmerda hat eine 20-jährige Mutter ihr neun Monate altes Baby vier Tage lang allein gelassen. Der kleine Leon starb in seinem Gitterbett neben zwei leeren Babyfläschchen.
Auf focus.de befindet sich neben der ganzen Geschichte auch ein kurzes Video zu diesem Fall.
Die Tragödie von Sömmerda würde in der Regel als eine Meldung unter vielen untergehen. In diesem Fall aber waren die Behörden bereits seit Wochen über die Verwahrlosung informiert:
Der Familie, deren zweijährige Tochter Lena die Vernachlässigung neben dem Bett ihres toten Bruders überlebte, war zuvor bereits auffällig geworden. Eine Nachbarin hatte das Jugendamt eingeschaltet, weil der Strom in der Wohnung wegen unbezahlter Rechnungen abgestellt worden war und es infolgedessen wohl Probleme gab.
In der Chronologie der darauf folgenden Ereignisse kann man zwar sehr schön erkennen, dass die Behörden zwar zeitnah gehandelt haben, den Tod des kleinen Jungen aber nicht verhindern konnten.
Was nun kommen wird, dürfte jedem Elternteil wohl klar sein. Es ist auf dem Baby-Blog auch bereits mehrfach angeklungen:
Die Politiker werden nun das bisherige System aus freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen dahingehend überarbeiten, dass es zukünftig mehr Pflichttermine beim Kinderarzt gibt, um Fälle von Verwahrlosung und Vernachlässigung frühzeitig zu erkennen.
Die staatliche Kontrolle über die Entwicklung unserer Kinder wird also drastisch zunehmen. Verantwortungsbewusste Eltern, die sowieso bereits zuverlässig und im eigenen Interesse sämtliche Vorsorgeuntersuchungen für ihre Kinder wahrgenommen haben, werden aber mit dieser zusätzlichen Kontrollmaßnahme sehr gut leben können.
Insofern wird die Tragödie von Sömmerda hoffentlich einen heilenden Prozess einleiten, der vielleicht in Zukunft weitere Schreckensmeldungen dieser Art vermeiden hilft. Denn Meldungen über verdurstete Babys darf es in diesem Land eigentlich nicht geben!
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