Krankenhaus behält Baby als Pfand
Markus Niesen | 29. Jan 2007 | Geburt
Weil die Eltern eines Neugeborenen die Rechnung des indonesischen Kranken-hauses nicht bezahlen konnten, hat die Klinikleitung das Baby als Pfand behalten.
Die Mutter konnte das Krankenhaus knapp zwei Wochen nach der Geburt verlassen. Die Verwaltung behielt allerdings das Baby, weil die Familie nur einen Teil der Rechnung in Höhe von umgerechnet rund 300,- Euro bezahlen konnte.
Der Vater benötigte weitere drei Wochen, um mit den Bewohnern seines Heimatdorfes das Geld aufzutreiben. Als er das Geld beim Krankenhaus dann abliefern wollte, war die Rechnung in der Zwischenzeit um weitere 50,- Euro angewachsen.
Ob er dennoch die kleine Alfiah mit nach Hause zu seiner Frau nehmen konnte, verrät die Geschichte auf rp-online.de.
Für meine Frau und mich, die jahrelang in Indonesien gelebt haben, verbirgt sich in dieser exotischen Story nichts Ungewöhnliches:
Wir haben selbst erlebt, wie schwer verletzte Patienten in indonesischen Krankenhäusern nicht behandelt wurden, weil sie kein Geld bei sich hatten. Wenn dann auch noch keine Familienangehörigen anwesend waren, die die notwendigen Medikamente aus der angeschlossenen Apotheke holen konnten und die Bezahlung der Behandlung sowie der Unterbringung im Krankenhaus garantieren konnten, dann wurde der Patient einfach in eine ruhige Ecke geschoben und sich selbst überlassen.
Umgekehrt haben wir aber auch erfahren dürfen, wie die freundlichen Indonesier immer irgendwie Hilfe geleistet haben: wildfremde Menschen im Krankenhaus haben plötzlich ein paar Rupiah gespendet, damit dem verletzten Patienten wenigstens ein Schmerzmittel verabreicht werden konnte.
Auch die Spendensammlung im Heimatdorf des Vaters ist in Indonesien durchaus üblich: die Dorfgemeinschaft fühlt sich für alle ihrer Mitglieder verantwortlich, denn schließlich könnte es jeden von ihnen einmal treffen.
Ich habe dieses soziale Netz in Indonesien als sehr positiv empfunden. Jeder ist Teil eines großen Ganzen und kann sich im Falle eines Falles auf seine Umgebung verlassen:
So haben die Einheimischen selbstverständlich auch mir geholfen, als ich mitten in der Nacht nach einem Motorradunfall mit zertrümmerter Kniescheibe in einem balinesischen Dorf auf der Straße lag. Sie haben nicht nur den Privat-Transport ins nächste Krankenhaus organisiert (, weil nachts sowieso kein Krankenwagen mehr kommen würde!), sondern sie haben mich anschließend auch täglich im Krankenhaus besucht und mir reichlich Obst und Blumen mitgebracht.
So ungewöhnlich die obige Geschichte mit dem Baby als Pfand für unser Empfinden daher auch sein mag ... aus dem Kontext herausgerissen ist es zu leicht, bei einer solchen Story nur den Kopf zu schütteln und über das Leben in unterentwickelten Ländern zu lästern.
Denn nicht nur die Uhren, sondern auch der Zeitgeist ticken eben anders in Indonesien.
Top-Tipp: Limango - Einkaufsgemeinschaft für junge Familien!
Trackback-Adresse für diesen Eintrag
Trackback-URL (Rechtsklick und Verknüpfungs-/Link-Adresse kopieren)
Noch kein Feedback
Einen Kommentar hinterlassen
| « Itzbeen™ Baby Care Timer | Es ist noch gar nicht so lange her ... » |


