Spielzeugratgeber Teil 3 - Fairer Handel
Sabine Niesen | 8. Feb 2007 | Entwicklung
Im Spielzeugratgeber haben wir im ersten Teil Geschenktipps für den Einkauf von Spielwaren gegeben. Im zweiten Teil haben wir verschiedene Kauftipps für Spielzeug zusammengestellt. Abschließend möchten wir ein wenig kritisch hinter die Kulissen der Spielwarenerzeugung zu blicken.
Denn rund 80 Prozent der weltweit vertriebenen Spielwaren werden in Asien - vorwiegend in China - produziert.
Vor rund 10 Jahren wurde die Weltöffentlichkeit erstmals auf Missstände bei der Spielzeugherstellung aufmerksam: Hintergrund waren zwei Brände in Spielzeugfabriken in Thailand und China, bei denen mehr als 250 Menschen starben. Damalige Untersuchungen zeigten die teilweise menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen auf. Von unzumutbaren hygienischen Bedingungen bis hin zu Erpressung und Disziplinierungen durch Vorgesetzte wurde berichtet.
Das Hilfswerk Misereor startete aus diesem Grund im Jahr 1999 die Aktion "Fair spielt", welche das Ziel hat, die Arbeitsbedingungen in den asiatischen Spielzeugfabriken zu verbessern. Dies soll dadurch geschehen, dass Spielzeughersteller und Handel ihren Lieferanten in Asien festdefinierte Auflagen machen, was die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Spielzeug betrifft.
Im Jahr 2001 definierte der Weltverband der Spielzeug-industrie (International Council of Toy Industries (ICTI)) erstmals einen Kodex mit Mindestanforderungen:
- Die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten und Lohnzahlungen.
- Das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie der Diskriminierung von Beschäftigten.
- Zahlung der gesetzlichen Leistungen bei Krankheit und Schwangerschaft.
- Die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen.
- Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutz, Notfallversorgung.
- Die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen.
- Angemessene Hygieneeinrichtungen sowie eine menschenwürdige Unterbringung der Arbeiterinnen und Arbeiter.
- Das Verbot seelischer und körperlicher Disziplinierungen.
- Die Bekanntgabe der Standards in der örtlichen Sprache.
- Firmeninterne Kontrollen bzw. externe Überprüfungen der Einhaltung dieser Vorschriften.
Bis heute ist es jedoch schwierig, die Einhaltung dieser Vorschriften bei der Spielzeugherstellung zu kontrollieren. Korruption bei den Prüfern oder der Druck in der Spielwarenindustrie haben zur Folge, dass nach wie vor bei zwei Dutzend Kontrollen von bereits zertifizierten Herstellern festgestellt wurde, dasss sich kein einziger vollständig an die Vorgaben hält.
Was kann nun der Verbraucher selbst tun - worauf können Eltern beim Spielzeugkauf achten?
Es gibt durchaus Anbieter, deren Firmenideologie auf faires Verhalten bei der Herstellung von Spielzeug achtet. Im Internet sind zum Beispiel folgende Spielzeughersteller zu finden:
- "Faire Bälle" der Gepa,
- Spielwaren von El Puente,
- Spielzeug der
Dritte Welt-Shop GmbH, - Kinderspielzeug vom
Eine-Welt TEAM Versand.
Aber auch namhafte Hersteller wie zum Beispiel Playmobil sind hier zu nennen, denn sie lassen die kleinen Plastikmännchen ausschließlich in Deutschland und auf Malta herstellen.
Sicher bewegen sich die Verkaufspreise für dieses Spielzeug nicht in dem Rahmen, wie es den großen Spielzeugherstellern, die in Asien produzieren, möglich ist. Doch wenn man von dem Motto "weniger ist mehr" ausgeht, ist sicherlich auch Spielzeug, das "fair" produziert wurde, erschwinglich.
Trotzdem - Spielzeug soll vor allen Dingen Kindern und Eltern Spaß machen. Wer mit offenen Augen den Spielzeugkauf angeht, der kann dennoch ohne schlechtes Gewissen viel Spaß dabei haben!
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