Durchblutungsstörungen und Plötzlicher Kindstod
Markus Niesen | 9. Mär 2007 | Gesundheit
Plötzlicher Kindstod ist eine zwiespältige Angelegenheit. Es gibt Dutzende Hypothesen, warum unschuldige Babys im Schlaf plötzlich sterben. Doch noch immer sind die Ursachen für den Plötzlichen Kindstod nicht vollständig erforscht.
Hinzukommt dass fast jeder, der sich zu diesem Thema äußert, eine versteckte Agenda hat: man will etwas verkaufen und beruft sich auf endlose Untersuchungsreihen, die die Wirksamkeit des eigenen Produktes gegen den Plötzlichen Kindstod belegen sollen.
So tauchen alle paar Monate mal wieder neue Erkenntnisse zum plötzlichen Kindstod auf: während bislang eher die Atmung als mögliches Problemfeld für den Plötzlichen Kindstod beobachtet wurde, haben Bamberger Ultraschallexperten nun Durchblutungsstörungen als mögliche Ursache festgestellt.
Diese sollen bei zu starker Drehung des Kopfes beim Schlafen in Bauchlage entstehen. Dabei wird ein von der Wirbelsäule zum Gehirn führendes Blutgefäß zusammengedrückt und der Hirnstamm - der Sitz des Atem- und Kreislaufzentrums - wird nicht mehr ausreichend durchblutet. Eine mögliche Folge kann der Plötzliche Kindstod sein.
Die Durchblutungsstörungen in der Arteria basilaris zeigen sich aber nicht bei allen Neugeborenen. In den meisten Fällen fließt das Blut unabhängig von der Lage des Kopfes störungsfrei und in "normaler" Geschwindigkeit durch diese Arterie. Bei etwa 1,5 Prozent aller Babys fließt das Blut jedoch bei seitlicher Drehung des Kopfes in Bauchlage sehr langsam. In Extremfällen stockt der Blutstrom sogar oder das Blut fließt rückwärts.
Die Risikokinder lassen sich mit einer speziellen Ultraschallmethode, der Dopplersonographie, erkennen. Säuglinge mit krankhaftem Blutfluss werden anschließend mit einem Herzatemmonitor überwacht. Ihre Eltern werden angewiesen, das Kind so zu betten, dass ein normaler Blutstrom stets gewährleistet ist.
Bei insgesamt 14.300 Neugeborenen wurde im Rahmen eines freiwilligen Programms ein dopplersonographisches Screeningprogramm der Hirnbasisarterien vorgenommen. Von den speziell überwachten Risikokindern starb seit 1998 nur ein Einziges am Plötzlichen Kindstod. Bei einer Vergleichsgruppe aus nur 3.280 Neugeborenen, deren Eltern nicht an diesem Programm teilgenommen hatten, starben hingegen vier Säuglinge am Plötzlichen Kindstod. Diese Zahl entspricht in etwa der statistischen Wahrscheinlichkeit.
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), von der die Aussagen zu diesen Untersuchungen stammen, empfiehlt deshalb Ultraschall-Reihenuntersuchungen bei Säuglingen. Damit sollen sich gefährdete Kinder rechtzeitig erkennen und Fälle von plötzlichem Kindstod vermeiden lassen.
Und genau an dieser Stelle schließt sich dann auch der von mir eingangs erwähnte Kreis wieder: denn natürlich geht es auch bei dieser Studie wiederum um den Absatz eines Produktes, in diesem Fall eben um teure Ultraschallgeräte, die eine Dopplersonographie ermöglichen.
Dennoch ist die Forschung zum Plötzlichen Kindstod natürlich weiterhin gut und wichtig. Man sollte allerdings in diesem Zusammenhang Meldungen wie diese stets kritisch hinterfragen!
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2 Kommentare
Das geht solange gut, bis das Kind sich selber drehen kann, aber in dem Alter hat die Wahrscheinlichkeit des SIDS ja auch schon wieder abgenommen.
Interessanter Artikel jedenfalls.
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