Babys lernen lesen
Markus Niesen | 15. Mär 2007 | Entwicklung
Irgendetwas tief in meinem Inneren wehrt sich gegen Bilder wie dieses nebenan.
Ich muss gestehen, dass ich absolut kein Freund davon bin, unseren Babys und Kleinkindern mehr und mehr von ihrer Kindheit zu nehmen und sie bereits frühzeitig auf Erfolg zu trimmen.
Als ich zum ersten Mal über diese amerikanische Website gestolpert bin, mit deren Hilfe bereits Babys im Alter von drei Monaten das Lesen beigebracht werden soll, war ich einigermaßen schockiert.
In zahlreichen Videos kann man sich dort Babys und Kleinkinder ansehen, die zunächst irgendwelche Lern-DVDs am Fernseher oder Computer-Bildschirm anschauen, um dann später ganz stolz ihre ersten Wörter auf großen, bunten Karten zu lesen, die entweder die Eltern oder ihre Geschwister hochhalten.
Die dahinter steckende Theorie kann ich seltsamerweise sehr gut nachvollziehen:
Es ist nun einmal erwiesen, dass das Gehirn in jungen Jahren die entscheidenden Denkstrukturen anlegt, die später als Erwachsene gut gebraucht werden können.
Warum soll man einem Baby oder Kleinkind dann nicht gleich beim Erlernen einer neuer Sprache neben vielen Bildern auch die dazugehörigen Buchstabenkombinationen beibringen?
Die Befürworter dieser Idee verfolgen einen interaktiven Ansatz, bei dem möglichst viele Sinne mit eingebunden werden:
Die Kinder hören und sehen die zu lernenden Wörter zur gleichen Zeit. Anstatt also nur - wie allgemein üblich - auf die Muttersprache zu hören, werden diesen Kindern gleichzeitig die Kärtchen mit den Wörtern gezeigt. Dabei werden sie dazu animiert, die Worte selbst nachzusprechen.
Um das Erlernte dauerhaft im Gehirn zu verankern, wird es darüberhinaus mit einer Aktivität verknüpft. So sollen die Babys und Kleinkinder dazu klatschen, auf etwas zeigen, ein Körperteil berühren, winken oder eine sonstige Aktion ausführen, die mit dem jeweiligen Wort verknüpft ist.
Der gesamte Prozess unterscheidet sich somit nicht wesentlich von der Art und Weise, wie wir unseren Kindern das Sprechen beibringen. Neu sind nur die Elemente in der Interaktion, die dem Nachwuchs gleichzeitig das Lesen beibringen sollen.
Je länger ich daher darüber nachdenke, umso mehr bin ich von diesem Vorgehen überzeugt!
Irgendwie kann es durchaus Sinn machen, bereits in jungen Jahren quasi so ganz nebenbei etwas zu erlernen, was man sich später in der Schule erst mühsam aneignen muss.
Daher werde ich mich ab heute einmal umsehen, was es hierzulande zum Thema "Babys lernen lesen" an Produkten und Dienstleistungen so gibt. Wer wie ich an dieser Stelle zum ersten Mal mit dieser Idee konfrontiert wurde, der kann sich ja solange yourbabycan.com einmal in Ruhe ansehen.
Eine Frage zur Diskussion in den Kommentaren habe ich allerdings noch: Ist Lesen lernen für Babys und Kleinkinder wirklich so eine gute Idee oder sollte dieser Schritt nicht doch eher den Schulen vorbehalten werden?
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