"Kinder sind Zukunft" - Das verordnete Glück
Markus Niesen | 13. Apr 2007 | Sonstiges
Morgen startet die ARD-Themenwoche "Kinder sind Zukunft". Vom 14. bis zum 21. April 2007 will man unserer Nation flächendeckend erzählen, warum wir mehr Kinder in diesem Land benötigen.
Niemand wird sich so richtig diesem Themen-Gewitter entziehen können. Denn die ARD feuert auf allen Kanälen ihre Nachricht aufs Publikum: es gibt unzählige Sendungen im Fernsehen und im Radio und man hat auch eine umfangreiche Website zum Thema erstellt. Selbstverständlich wird auch die Presse ausführlich über dieses Medienereignis berichten.
"Kinder sind Zukunft" klingt genauso platt und unbeholfen wie die ersten kläglichen Gehversuche des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2005, die in die gleiche Richtung zielten: hier hatte man unter dem Slogan "Deutschland wird familienfreundlich" schon einmal versucht, ein ganzes Land von den Vorteilen vieler kleiner Kinder zu überzeugen.
Die damalige Aktion verpuffte gänzlich unspektakulär im Internet, denn dem Ministerium fehlten die finanziellen Mittel, um das Thema über andere Medien in die breite Öffentlichkeit zu bringen. Mit der ARD im Rücken besitzt die kommende Themenwoche nun einen viel besseren Multiplikator, der die Botschaft auch tatsächlich unters Volk bringen kann. So darf die Familienministerin Ursula von der Leyen in der kommenden Woche u.a. auch bei Sabine Christiansen ihre aktuelle Famlienpolitik erläutern.
Dennoch klingt "Kinder sind Zukunft" natürlich irgendwie schal und zu sehr nach "verordnetem Glück":
In bevölkerungsreichen Ländern wie China wird vom Staat etwa die "Ein-Kind-Familie" als das Nonplusultra verkündet und Familien mit mehr als einem Kind sehen sich mit den Sanktionen der Regierung konfrontiert, wenn ihr "Großfamilienstatus" den Behörden bekannt wird.
Hierzulande soll dem stetigen Bevölkerungsschwund halt dahingehend entgegengewirkt werden, indem man Frauen im gebärfähigen Alter mit Themenwochen wie "Kinder sind Zukunft" suggeriert, dass die durchschnittlich 1,3 Kinder pro Familie in diesem Land sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss sein können.
Damit wir uns richtig verstehen ... ich will hier nicht bereits vor dem Start von "Kinder sind Zukunft" diese Aktion bereits zerreden. Ich wehre mich nur dagegen, dass hier mit einer unterschwelligen Botschaft potentiellen Eltern Dinge vermittelt werden sollen, die so in Wirklichkeit noch gar nicht existent sind.
Denn statt einer Verstaatlichung der Familien braucht dieses Land perfekte Bedingungen für Eltern mit kleinen Kindern.
Wenn diese jetzt durch clevere Initiativen der großen Koalition geschaffen werden, dann braucht man auch keine - wie auch immer gearteten - Themenwochen mehr.
Denn die "Nummer mit dem Kinder machen" kriegen die Leute auch ohne den Eingriff des Staates hin.
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