Editorial: Die Invasion der Mütter-Communities
Markus Niesen | 31. Mai 2007 | Sonstiges | 3 Feedbacks »
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht wieder irgendwo ein neues Mütternetzwerk auftaucht.
Inspiriert durch den großen Erfolg einiger amerikanischer Online-Communities für Mütter verschaffen sich auch hierzulande eifrige Gründerinnen ausreichend Risikokapital, um große Kontaktplattformen entwickeln zu lassen.
Die Konzepte ähneln sich dabei oft bis ins letzte Detail:
- Die Teilnahme an den Online-Netzwerken ist für die Mütter zunächst einmal kostenlos.
- Die Beteiberinnen setzen auf Online-Werbung zur Finanzierung ihres Angebots.
- Neben den Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Müttern sollen forenähnliche Strukturen oder ein redaktioneller Teil neue Besucherinnen anlocken.
- Die "neuen" Väter werden eher stiefmütterlich behandelt.
Im Prinzip sind die Plattformen daher austauschbar:
- Keine von ihnen hat ein klares Alleinstellungsmerkmal.
- Niemand hat den Vorteil gegenüber einem stinknormalen Forum bislang vernünftig definiert.
- Es fehlt bei allen das Killerargument, welches die Besucherinnen nicht nur zur Anmeldung, sondern auch zur aktiven Teilnahme innerhalb der Community motivieren könnte.
Letztendlich gibt es im Eltern-Umfeld kaum eine Frage, die nicht schon unzählige Male durchgekaut wurde: wer auch nur halbwegs mit einer beliebigen Suchmaschine umgehen kann, der braucht nun wirklich nicht mehr den betont bemühten redaktionellen Teil einer Mütter-Community. Und die lässig in den Raum geworfenen Fragen und Antworten findet man auch bereits dutzende Male in aller epischen Breite in den bereits vorhandenen Foren der klassischen Eltern-Portale.
Bleiben also nur noch die Vernetzungsmöglichkeiten, die die neuen Mütter-Communities bieten. Doch hier es ist viel effektiver, sich im eigenen Stadtteil oder im eigenen Ort lokal nach Gleichgesinnten umzusehen, als sich online durch Hunderte von Profilen zu wühlen.
Denn mangels Masse an Teilnehmerinnen haben die neuen Mütter-Communities in den meisten Fällen im Moment noch keine Kontakte in unmittelbarer Nachbarschaft zu bieten. Aber nur diese machen wirklich Sinn! Denn wer will schon ernsthaft eine Spielgruppe mit anderen Eltern gründen, wenn sich diese im Umkreis von 50 Kilometern um den eigenen Wohnort befinden? - Im Umfeld des lokalen Turnvereins, der Kirchengemeinde oder des Kindergartens wird man weitaus mehr Mütter mit kleinen Kindern treffen als in den aktuellen Versionen der Mütter-Communities.
Zudem sind diese oft mit einer heißen Nadel gestrickt. "Den letzten beißen die Hunde", scheint in diesem Umfeld zu gelten. So startet man ganz bewusst früh mit einer Beta-Phase, ohne wirklich alle Funktionen implementiert zu haben. Wiederum andere kommen über eine Blog-Funktion nicht hinaus, auf der ausführlich die aktuelle Entwicklung diskutiert wird. Von der eigentlichen Plattform ist aber weit und breit noch nichts zu sehen.
Ich bin mir daher sicher, dass derjenige das Feld von hinten aufrollen wird, dem es als Erstes gelingt, aus der grauen Masse der bislang austauschbaren Mütter-Communities herauszuragen. Denn "die Nummer mit dem Alleinstellungsmerkmal und dem Kundennutzen" ist doch nun wirklich nicht so schwierig:
- Sagt den Müttern (und den Vätern!) klipp und klar, was sie bei Euch erwarten können!
- Arbeitet umgehend an Eurem Kundennutzen und definiert glasklar den Mehrwert, den Ihr gegenüber einem Forum bietet.
- Scheut Euch dabei auch nicht, für diesen Mehrwert ein paar Euro im Monat zu verlangen, wenn dafür ein ruhiger Treffpunkt entsteht, der nicht von elenden Werbebannern vollgekleistert ist!
Vielleicht gelingt es Euch dann ja auch, den größten Kritiker der aktuellen Mütter-Communities in Deutschland zufrieden zu stellen. ![]()
Denn Eure Ideen haben durchaus Potential. Ihr müsst es nur richtig rüberbringen!
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3 Kommentare
Du triffst mal wieder voll ins Schwarze! Ich kann Dir in allen Punkten nur Recht geben. Denn:
- Ja, es gibt dutzende Mama-Portale
- Ja, alle sind sie ersetzbar
- Ja, die Tipps dort sind lange nicht so fundiert wie die aus wirklich professionellen Foren, á la rundumsbaby.de
- Und Ja, wir Väter werden dort total vergessen >:o|
Aber genau wie Du sagst gibt der Markt dennoch genug Potential her. Die Muttis müssen nur wissen, welches DAS Portal ist. Und diese muss eben auch erst erfunden werden.
Und wir gerade bei neu Gründungen sind: Ich denke ich weiß auf welche "neue" Plattform Du hinaus willst, die den "Blog-Status" noch nicht einmal verlassen hat. Und ich finde es auch hier wieder unglaublich was für ein weiteres Portal invetiert wird. In dem speziellen Fall reden wir von 100.000 EURO! Und was ich hier erwarte, trifft noch nicht einmal annähernd zu. Weder vom Design her, noch funktional gesehen.
Aber vielleicht hast Du ja jetzt eine Mutti zuhause wach gerüttelt ;o) Ich wünschte es... nur Mut.
Mal wieder ein super Beitrag! Danke.
ich hab Ihren Artikel mit Freude gelesen, da Sie sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzten. Insbesondere, da ich Ihnen vor Kurzem Informationen zu unserem Mütternetzwerk www.mamiweb.de zugesendet hatte.
Ich kann Ihre Kritik voll nachvollziehen und finde Ihre Vorschläge hochinteressant. Aber wie genau diese "Killerapplikation" bzw. das "Killerfeature" aussehen soll, sagen Sie auch nicht. Ich finde es auch sehr schwierig, in der aktuellen Phase der Mütternetzwerke dieses bereits zu fordern. Wir z.B. bei mamiweb sind momentan in der 3ten Woche online. Etwas Zeit geben sollte man den Betreibern schon. Schließlich stecken in der Erstellung und Bewerbung der Seiten monatelange Arbeit. Das alle austauschbar den gleichen Umfang an Funktionalitäten anbieten, empfinde ich für den Anfang als völlig normal. Schließlich muss sich ja erst noch herausstellen, welche Features insbesondere angenommen werden. Wir arbeiten jedoch mit Hochdruck daran, diese zu identifizieren, um den Nutzen zu maximieren.
Die von Ihnen geforderten Features werden kommen, kristallisieren sich aber erst heraus, wenn man eine Zeitlang online war und die Wünsche der User kanalisieren kann. Auch an der von Ihnen geforderten Regionalität wird gearbeitet, kann sich aber auch nur über die angemeldeten User von innen heraus ausbilden.
VG,
Torsten vom mamiweb.de - Team
Z.B. wir suchen explizit nicht nach dem "Kundennutzen" der uns zur Killerapplikation mit Millionenpotenzial macht. Wir verstehen uns als Netzwerk von Kollegen und Freunden, die über Ihre Erfahrungen mit dem Nachwuchs erzählen. Das hat in erster Linie selbsttherapeutischen Wert. Wenn wir damit anderen Eltern helfen können freuen wir uns.
Keinesfalls möchten wir von Ihnen als x-tes austauschbares, blödes Mamminetzwerk bezeichnet werden. Und auch wenn unsere Themen schon tausend Mal auf anderen Plattformen durch gekaut wurden, so wurden sie dennoch noch nicht von uns erzählt.
Viele Grüße
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