Frühe Trotzphase ist Zeichen gesunder Entwicklung
Markus Niesen | 25. Jul 2007 | Entwicklung
Den folgende Text beschäftigt sich mit der Trotzphase von Kleinkindern und damit mit einem Phänomen, das viele Eltern mehr oder weniger heftig bereits bei ihrem Nachwuchs erlebt haben.
Diese Beobachtungen amerikanischer Psychologen erhielt ich über Tom Doch von projekt-erdling.de. Tom selbst gibt als Quelle den Leonardo Newsletter des WDR vom 23.7.2007 an. Dieser besitzt aber anscheinend kein Archiv, so dass ich nicht auf den vollständigen Text im Original verlinken kann.
Da ich kein Abonnent des Leonardo-Newsletters bin, übernehme ich hier den Text ohne Änderungen aus dem projekt-erdling.de Newsletter:
Oft geht es im Alter von anderthalb bis zwei Jahren los: Die lieben Kleinen werden zu echten Teufeln, testen permanent ihre Grenzen aus, benehmen sich immerzu daneben und lehnen sich trotzig gegen alles und jeden auf.
So anstrengend diese Trotzphase auch ist, sie ist vermutlich ein gutes Zeichen und Teil der gesunden Entwicklung eines Kleinkindes. Dagegen könne es unter Umständen eher Grund zur Sorge geben, wenn diese Bockigkeit fehlt, sagen amerikanische Psychologen nach der Beobachtung von Kleinkindern im Spiel mit ihren Müttern. Ihre Untersuchung schildern sie in der Fachzeitschrift "Child Development".
"Obwohl extreme Trotzigkeit ein oder zwei Jahre später ein Problem sein kann, haben wir herausgefunden, dass Trotz in diesem Alter ein Zeichen positiver Entwicklung ist", erklärt Theodore Dix von der University of Texas at Austin. Die Wissenschaftler hatten 119 Mütter beim Spiel mit ihren 14 bis 27 Monate alten Kindern auf Video aufgenommen. Die Mütter sollten dabei den Kleinen einige interessante Spielzeuge vorenthalten und sie am Ende der Spielzeit dazu bewegen, die anderen Spielsachen mit aufzuräumen. Die Reaktionen der Kinder auf ihre Mütter unterteilten die Forscher bei der Analyse der Videoaufnahmen in die drei Kategorien trotzig, ignorierend und folgsam.
Bei einfühlsamen Müttern, die kaum Anzeichen einer Depression zeigten, beobachteten Dix und seine Kollegen am häufigsten, dass die Kinder trotzig reagierten. Hier war es am unwahrscheinlichsten, dass sie die Anweisungen der Mutter ignorierten. Diese Kinder kooperierten aber auch gern und waren positiv an der Mutter interessiert.
Mütter, die Symptome von Depressionen hatten, wurden von ihren Kindern dagegen häufiger ignoriert. Dafür zeigten die Kleinen kaum Trotzreaktionen. Möglicherweise erhalten diese Kinder weniger positive Bestätigung von der Mutter und lernen daher, mit Hindernissen eher passiv umzugehen, vermuten die Forscher.
Diese Ergebnisse legen nahe:
Trotz gegen die Eltern ist in einem Alter, in dem erstmals Grenzen gesetzt und Anweisungen erteilt werden, kein Zeichen von Problemen in der Entwicklung oder der Eltern-Kind-Beziehung, beruhigen die Psychologen. Im Gegenteil spiegelt dieser aktive Widerstand ein gesundes Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit wider, Abläufe kontrollieren zu können und dies natürlich auch zu versuchen -- wenn auch auf eine sehr unreife Art und Weise.
Ich halte den von den Psychologen zititerten kausalen Zusammenhang zwischen einer Depression der Mutter und der Trotzreaktion des Kindes für äußerst konstruiert: in meinem Bekanntenkreis kenne ich nicht eine einzige Mutter-/Kind-Beziehung, wo dies auch nur ansatzweise zutreffen würde!
Was hat nach Eurer Meinung eher Einfluss auf die Heftigkeit der Trotzreaktionen bei Kleinkindern?
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1 Kommentar
Aber im Ernst ... ich kann schon teilweise verstehen, dass man so seiner Hilflosigkeit, mit der aktuellen Situation klarzukommen, Ausdruck verleihen möchte. Aber das lässt mich dann auch genauso hilflos daneben stehen :-(
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