Geschüttelte Babys
Markus Niesen | 31. Jul 2007 | Gesundheit
Vor genau einer Woche habe ich den Shaken Baby Syndrome Simulator™ erstmalig entdeckt.
Es handelt sich dabei um einen weiteren Babysimulator, dieses Mal aber nicht in einer Ausführung für Notärzte oder Teenager, die den Umgang mit einem Baby erlernen sollen, sondern mit einer Simulation eines geschüttelten Babys.
Ca. 25% aller Babys sterben, wenn sie heftig geschüttelt werden. Hierfür gibt es viele Gründe:
- Der Kopf ist im Verhältnis zur Größe des Körpers wesentlich schwerer als bei einem Erwachsenen.
- Das Baby hat noch schwache Nackenmuskeln und kann sich daher der Bewegung nicht widersetzen.
- Das Gehirn befindet sich noch im Wachstum und daher ist im Schädel noch ein wenig Platz. Damit wird die von außen auf das Gehirn einwirkende Kraft deutlich verschärft.
- Die Kopfvenen sind noch nicht sonderlich ausgeprägt: sie reißen leicht und bluten schnell.
Doch selbst wenn ein Baby, das geschüttelt wurde, nicht stirbt, können langfristige Folgeschäden bleiben:
- Sprach- und Lernschwierigkeiten
- Blindheit
- Verhaltensstörungen
- Lähmungen auf einer oder auf beiden Seiten
- Erhöhtes Schlaganfallrisiko
- Verlust der Bewegungskontrolle
In nahezu allen Fällen werden Babys geschüttelt, weil sie mit dem Weinen nicht aufhören. Die Betreuungsperson ist zunächst frustiert, wird zunehmend verunsichert, verliert irgendwann die Kontrolle über sich selbst und schüttelt dann das Baby.
Fast immer ist der biologische Vater derjenige, der das Baby schüttelt. Hierzu gibt es mehrere Aussagen (Vorurteile?), warum dies so sein soll:
- Männer kennen sich nicht so gut mit den Bedürfnissen des Babys aus.
- Männer haben eher Stress in der Familie oder leiden unter finanziellem Druck.
- Männer sind nicht so sehr an das Weinen des Babys gewöhnt und wenden daher ihre Kraft auf, um das Baby ruhig zu bekommen.
Grundsätzlich soll aber jeder, der schnell frustriert wird, in der Lage sein, ein Baby bis zum Tode zu schütteln.
Mit dem Shaken Baby Syndrome Simulator™ wollen dessen Entwickler vorbeugend arbeiten und Wege aufzeigen, mit denen Frustration und Stress bei den Betreuungspersonen abgebaut werden kann. Sie wollen aufzeigen, warum ein Baby weint und wie es wieder beruhigt werden kann.
Letztendlich muss eine frustrierte Betreuungsperson mit diesem Babysimulator lernen, dass sie nicht das weinende Baby mit Gewalt stoppen darf, sondern dass von ihr erwartet wird, solange sanft korrigierend einzugreifen, bis das Baby von alleine mit dem Weinen aufhört.
Die ChildhelpUSA-Hotline arbeitet hierzu mit diesen drei Merksätzen, um zu Tode geschüttelte oder schwer verletzte Babys zu verhindern:
- Es ist noch kein Baby gestorben, weil es zu viel geweint hat.
- Wenn Sie jemanden ziemlich frustriert mit einem weinenden Babys sehen, dann bieten Sie ihre Hilfe an.
- Schütteln Sie nie selbst ein Baby!
Eigentlich alles Selbstverständlichkeiten, aber in den USA sterben jährlich zwischen 1.400 und 10.000 Babys (die Zahlen schwanken) am "Shaken Baby Syndrome". Für Deutschland liegen keine genauen Zahlen vor.
Aber mindestens an jeden zweiten Tag lese ich eine Story wie diese, die der Auslöser für diesen Beitrag über die geschüttelten Babys war.
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