Kein Baby-Boom in Deutschland
Markus Niesen | 15. Nov 2007 | Sonstiges
Die Hoffnung auf einen Stopp des Geburtenrückgangs in Deutschland hat sich nicht erfüllt. Nachdem die Zahl der neugeborenen Kinder in den ersten drei Monaten dieses Jahres leicht gestiegen war, nahm sie im zweiten Quartal wieder ab. Damit steht die Halbjahresbilanz im Minus.
Rund 313.100 Kinder kamen lebend zur Welt, das sind 800 oder 0,3 Prozent weniger als von Januar bis Juni 2006, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.
Was die Statistik nicht belegt, ist der Grund für das leichte Auf und Ab der Geburtenzahl. Vielfach wird angenommen, dass der Mini-Baby-Boom mit einer optimistischen Stimmung zu tun hat, die aus der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 und dem Wirtschaftsaufschwung entstand.
Fest steht jedenfalls, dass im April deutlich mehr Babys zur Welt kamen, nämlich 51.037, das sind 2.677 mehr als im April 2006 (48.360). Von Januar bis März waren es fast 149.300 Kinder, etwa 600 oder 0,4 Prozent mehr als in den gleichen Vorjahresmonaten.
Im Mai und Juni 2007 jedoch gingen die Geburtenzahlen wieder deutlich zurück: Im Mai waren es 56.429 und damit 3.463 weniger als im Mai 2006, im Juni 56.329 und damit 655 weniger.
Weiterhin werden deutlich mehr Jungen als Mädchen geboren: Im ersten Halbjahr 2007 kamen laut Bundesamt 161.100 Jungen und 152.000 Mädchen zur Welt.
Der Geburtenrückgang dauert nach Angaben der Statistiker bereits seit 1991 an; Ausnahmen waren allerdings die Jahre 1996 und 1997 mit steigenden Zahlen. Die Marke von 700.000 wird seit zwei Jahren unterschritten: 2005 wurden 685.795 und 2006 nur noch 672.724 Babys lebend geboren.
Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ist, wie das Bundesamt betont, jedoch relativ konstant bei 1,3 bis 1,4. Damit die Bevölkerungszahl nicht abnimmt, müssten es aber 2,1 sein, wie Reinhold Zahn vom Statistischen Bundesamt erklärte.
Schon seit 1972 steht die Bevölkerungszahl im Minus. Daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Im ersten Halbjahr starben rund 408.700 Menschen in Deutschland, das sind 0,4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2006. Um die Einwohnerzahl zu halten, hätten 95.600 mehr Kinder geboren werden müssen. Im ersten Halbjahr 2006 hatte das Defizit bei 96.300 gelegen.
Das zu Jahresbeginn eingeführte Elterngeld hingegen wird immer gefragter – auch bei Vätern. Mittlerweile nimmt immerhin jeder zehnte Vater eine Baby-Auszeit.
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