Der schwangere Mann
Markus Niesen | 29. Mär 2008 | Schwangerschaft
Thomas Beatie ist transsexuell. Er kam als Frau zur Welt und ließ sich im Rahmen einer teilweisen Geschlechtsumwandlung vor 10 Jahren die Brüste entfernen. Anschließend begann er eine Therapie mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron. Seine weiblichen Reproduktionsorgane – Gebärmutter und Eierstöcke – hat er in weiser Vorausahnung behalten, für den Fall, dass er "später gerne selbst eigene Kinder zur Welt bringen will".
Seine Ehefrau Nancy konnte nach einer Gebärmutterentfernung vor über 20 Jahren keine Kinder mehr kriegen. Da ihnen zu ihrem ganz persönlichen Glück aber noch ein Kind fehlte, entschloss sich das Paar zu einer künstlichen Befruchtung von Thomas Beatie!
Damit begann der Ärger. Denn das Paar fand zunächst keinen Arzt, der sie bei diesem Vorhaben unterstützen wollte. Thomas Beatie wurde zu einem Psychologen geschickt, die Ethik-Kommission mehrerer Krankenhäuser wurde befragt und Ärzte und Mitarbeiter der Kliniken machten ihm schnell klar, dass sie mit "so einem wie ihm" nicht arbeiten könnten.
So erwarb das Paar ein Jahr später von einer Samenbank ein paar männliche Samenzellen und führte die künstliche Befruchtung im eigenen Heim durch. Als Thomas Beatie zum ersten Mal schwanger war erwartete das Paar Drillinge. Doch es kam zu Komplikationen und die Schwangerschaft wurde abgebrochen.
Mittlerweile ist Thomas zum zweiten Mal schwanger. Die Schwangerschaft verläuft bislang ohne jegliche Komplikationen und der schwangere Mann freut sich mit seiner Frau Nancy auf den errechneten Geburtstermin am 03. Juli 2008.
Thomas Beatie hat seine Geschichte im amerikanischen Schwulen-, Lesben-, Bi- und Transsexuellen-Magazin "The Advocate" erstmalig erzählt. Neben seiner Geschichte, die auch online einsehbar ist, hat die Redaktion ein Bild von einem schwangeren Mann abgebildet. Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, ob dieses Bild überhaupt Thomas Beatie zeigt oder ob es sich dabei nur um eine Fotomontage handelt.
Auf jeden Fall hat die Story um dem schwangeren Mann so natürlich weltweit für Furore gesorgt. Rings um den Erdball diskutieren Fruchtbarkeitsexperten, Genetiker, Internisten und andere Ärzte ob die Gesellschaft im Jahre 2008 überhaupt bereits bereit für einen schwangeren Ehemann ist. Doch auch zahlreiche medizinische Laien greifen in die Diskussion ein und so kochen die Emotionen schnell hoch.
Einen guten Überblick über die aktuelle Diskussionslage und zahlreiche weitere Links auf weiterführende Artikel rund um den schwangeren Mann findet man auf welt.de.
Update (03.07.08):
Der ehemals schwangere Mann hat in der Zwischenzeit eine Tochter zur Welt gebracht.
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