Hörtest für Neugeborene
Markus Niesen | 2. Jan 2009 | Gesundheit
Zum Jahreswechsel 2009 wird bundesweit ein Hörtest für Neugeborene eingeführt. Dieser wird noch in der Geburtsklinik vorgenommen und soll Schwerhörigkeit frühzeitig diagnostizieren helfen.
Störungen des Hörapparats sind die häufigste angeborene Erkrankung in der Bundesrepublik: unter 1.000 normalen Geburten ohne jegliche Risikofaktoren kommt im Durchschnitt ein Baby entweder hochgradig schwerhörig oder sogar gehörlos zur Welt. Bei Frühgeburten steigt diese Quote noch drastisch an. Darüberhinaus gibt es viele Kinder, die mittelgradige oder leichte Hörbehinderungen haben.
Durch den Hörtest für Neugeborene soll verhindert werden, dass die Schwerhörigkeit erst im zweiten oder dritten Lebensjahr erkannt wird und dann etwa bereits zu einer verzögerten Sprachentwicklung geführt hat.
In einem Artikel auf spiegel.de diskutieren die beiden Autorinnen den Hörtest für Neugeborene und gehen dabei auf mögliche Probleme bei der Einführung ein: die notwendigen Messgeräte seien bundesweit nicht flächendeckend verfügbar und Eltern, deren Kinder als auffällig eingestuft wurden, würden nicht zu den nachfolgenden Untersuchungen gehen.
Nur ganz kurz in der Einleitung gehen die Autorinnen aber auf ein Problem ein, dass ich für viel schwerwiegender halte: denn die kleinen, portablen Messgeräte, die - meist aus Preisgründen - bei diesen ganzen Screenings eingesetzt werden, haben leider eine auffallend hohe Fehlerquote und führen daher zu vielen "falsch positiven" Ergebnissen.
Während die Hersteller der Geräte von bis zu 1,5% falsch positiven Befunden ausgehen, die durch Verstopfung des Gehörgangs durch Fruchtwasserbeimengungen oder Käseschmiere bedingt sind, sprechen die Autorinnen des obigen Artikels von bis zu 10% aller Fälle (70.000 Babys pro Jahr!), in denen Eltern mit der Diagnose nach Hause gehen, dass ihr Kind "möglicherweise" schwerhörig ist.
In der Folgezeit gibt es für die beunruhigten Eltern aber nur wenig Hilfestellung. Denn nach einem positiven Befund erhalten Sie weder in der Klinik ein Merkblatt mit den wichtigsten Aussagen zu den Untersuchungsergebnissen noch werden Sie bei einer späteren Suche im Internet (Stichworte: Hörtest Baby, Hörscreening, OAE, etc.) beruhigende Informationen finden.
Erst ein paar Tage oder gar ein paar Wochen später stellt sich bei der anschließenden Kontrolluntersuchung dann meistens heraus, dass die eingangs gestellte Diagnose glücklicherweise völlig falsch war! Denn nur bei rund 800 Kindern pro Jahr wird auch in der Folge eine beidseitige Schwerhörigkeit festgestellt.
Allen Eltern, die daher nach einem positiven Befund bei einem Hörtest für ihr Baby auf dieser Seite gelandet sind, sei folgendes gesagt:
- Bleiben Sie ruhig und gelassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Baby tatsächlich schwerhörig ist, ist relativ gering!
- Lassen Sie sich nicht im Internet durch die vielen Artikel der Gerätehersteller und der Betroffenen verwirren!
- Gehen Sie in jedem Fall zu den Kontrolluntersuchungen, denn nur so erhalten Sie die absolute Gewissheit, dass Ihr Baby auch tatsächlich nicht schwerhörig ist!
Meines Erachtens scheitert es beim Hörtest für Neugeborene nicht an den fehlenden Geräten, sondern daran, dass sich anscheinend noch niemand über die schwerwiegenden psychologischen Konsequenzen eines positiven falschen Befundes für die Eltern ernsthaft Gedanken gemacht hat!
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4 Kommentare, 1 Trackback
PS: Nettes neues Design :)
Das neue Design ist noch nicht ganz fertig, denn im Moment ist im Header noch kein Baby zu sehen. In den nächsten Tagen wird sich hier daher noch einiges tun.
Hmm das wusste ich gar nicht.. Das Hören ist wirklich sehr wichtig und man muss unbedingt etwas machen! Ich hoffe auf eine schnelle Verbesserung!
danke für die prima Tips. Wir wollen unseren 3-jährigen Sohn auch demnächst mal nach einem Hörschaden untersuchen lassen. Mal schauen, was da herauskommt.
Viele Grüsse,
Jens
Nach der Geburt werden die Babys untersucht, ob sie gesund sind. Seit 2009 gehört nun bundesweit zu diesen Untersuchungen auch ein Funktionstest der Ohren. Die Kosten hierfür werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Ob nun das Neugebore...
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