Absurde Baby-Geschichten
Markus Niesen | 12. Mär 2009 | Sonstiges
Drei absurde Baby-Geschichten, die ich hier auf dem Baby-Blog bewusst nicht vorgestellt habe, obwohl sie im vergangenen Monat einen riesigen Hype ausgelöst haben.
Sie sind alle innerhalb weniger Tage enorm hochgekocht und dann genauso schnell wieder abgerauscht. Schon heute spielen sie in der Berichterstattung absolut keine Rolle mehr:
- Mutter bringt Achtlinge zur Welt
Nadya Suleman hatte Ende Januar in Kalifornien Achtlinge per Kaiserschnitt entbunden. Die Geburt der Achtlinge wurde international zunächst sehr wohlwollend aufgenommen. Doch die 33-jährige alleinerziehende arbeitslose Mutter hatte zuvor bereits sechs Kinder ebenfalls nach künstlicher Befruchtung zur Welt gebracht. Nachdem mehr und mehr Details rund um diese Geburt bekannt wurden, musste sich Nadya Suleman starker Kritik aussetzen. - 13-jähriger wird Vater in England
Für den 13-jährigen Vater Alfie Patten hätten sich in England nur wenige interessiert, wenn er es nicht mit seinem Milchbubi-Gesicht auf die Titelseiten einiger Boulevard-Blätter geschafft hätte. So ging das Bild, auf dem er neben seiner "vermeintlichen" Tochter Maisie Roxanne eher wie der große Bruder denn der Vater aussieht, um die ganze Welt. Denn nur wenige Tage später tauchten zwei etwas ältere Jungs aus der Nachbarschaft auf, die ebenfalls der Vater des Kindes sein wollten. Schnell gab es weitere Gerüchte, dass bis zu zehn mögliche Väter seine Freundin Chantalle (15) geschwängert haben könnten. Nun soll ein DNA-Test die ganze Wahrheit ans Licht bringen. Da aber dessen Ergebnis nicht veröffentlicht werden soll und über den ganzen Fall seit nunmehr zwei Wochen eine Nachrichtensperre verhängt wurde, wird die Öffentlichkeit wohl nie erfahren, ob Alfie Patten tatsächlich einer der jüngsten Väter Englands ist. - Mutter küsst eigenes Baby zu Tode
Ruth Schofield hatte sich wenige Tage vor der Geburt ihrer Tochter Jennifer zum ersten Mal mit Lippenherpes infiziert. Die kleine Jennifer starb im Alter von elf Tagen, weil ihre Mutter sie unwissentlich mit dem Herpes-Virus angesteckt hat - vermutlich durch einen Kuss. Da die Infektion bei der Mutter neu war, konnten weder die Mutter noch das Baby körpereigene Abwehrstoffe gegen das Virus entwickeln. Ruth hatte zuvor über grippeähnliche Symptome geklagt und Antibiotika bekommen, das Herpes-Virus wurde jedoch nicht erkannt. Die kleine Jennifer starb, weil das Virus innere Organe angriff.
Drei völlig unterschiedliche Geschichten, die sicherlich jeweils einen eigenen Beitrag auf dem Baby-Blog gerechtfertigt hätten, wenn sie nicht innerhalb weniger Tage ins Absurde gezerrt worden wären:
- Achtlinge? - Immer interessant!
Aber warum muss die Presse in der Folge sogar von einem "Spermatrick" oder von einem "Samenraub" sprechen und die Mutter der Achtlinge 1 Millionen US-Dollar geboten bekommen, damit sie in einem Sex-Film mitspielt? - Vater mit 13? - Ein Thema, aus dem man viel machen kann!
Durch die 10 möglichen anderen Väter wird die Geschichte aber schnell zur Farce. Wenn dann noch vermutet wird, dass Alfie aufgrund seines Alters als möglicher Vater nur vorgeschoben wurde, um mehr Geld aus dieser Geschichte zu machen, dann wirkt die Story langsam wie eine billige TV-Soap. - Lippenherpes kann Baby infizieren? - Aufpassen!
Im Rahmen dieser Geschichte hätte man besorgte Mütter und Väter vernünftig aufklären können, dass hier eine Gefahr existiert, die vielen vielleicht noch nicht bewusst ist. Durch Formulierungen wie "Todeskuss" und der zusätzlichen Behauptung, dass die Mutter nur mit einem einzigen Kuss ihr Kind getötet hätte, wird diese Geschichte aber nur unnötig aufgebläht und der gewünschte Effekt verpufft völlig.

In allen drei Fällen wurde eine an und für sich spannende Story durch die Sensationsgier der Medien kaputt geschrieben. Daher:
Soll der Baby-Blog dennoch weiterhin über sensations-triefende Geschichten rund ums Baby berichten oder sind dies Storys, die aufgrund ihrer Absurdität keiner weiteren Erwähnung bedürfen?
Update (20.05.2009):
Mittlerweile sind die DNA-Ergebnisse zur Schwangerschaft von Chantelle veröffentlich worden. Der 13-jährige Alfie Patten ist nicht der Vater der kleinen Maisie Roxanne. Ein Nebenbuhler hat seine Freundin geschwängert.
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7 Kommentare
Zwei der drei Geschichten habe ich doch tatsächlich irgendwie verpasst. Wobei "verpasst" wohl der falsche Ausdruck ist, denn so wichtig war dies ja alles nicht.
Es kommt hier wohl auf eine gesunde Mischung aus News-Artikeln und Linktipps an. Solange die Sensationsgeschichten hier nicht Überhand nehmen, habe ich kein Problem damit.
Chris: Guter Punkt! So mache ich das in Zukunft. Danke für den Tipp!
Marlene: Ok, ich werde zukünftig auf eine ausgewogene Mischung achten.
http://www.awfulplasticsurgery.com/category/nadya-sulman/
Was ich auch ganz besonders schlimm finde, sind meine Google Alerts: dort erhalte ich nur die Meldungen ueber tote Babys und Verfahren wegen Kindstoetungen. Ich schaffe es nicht, darueber zu berichten. Da fehlt mir derzeit bedingt durch mein Baby der Abstand. LG Kaddi
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