Mein Leben als Mutti - Ein Papa in Elternzeit
Markus Niesen | 12. Feb 2010 | Sonstiges | 5 Feedbacks »
Was macht ein angehender Papa, wenn seine schwangere Partnerin plötzlich ganz selbstbewusst verkündet: "Ich möchte gerne weiterarbeiten, mach du das doch mit der Elternzeit!"?
Nun, der deutsche Durchschnitts-Mann würde irgendwas von einer "unglücklichen Hormonlaune" stammeln und sich dann mit einigem Widerwillen zu den heutzutage üblichen zwei Monaten Elternzeit durchringen.
Ganz anders Hermann Ehmann: der Gymnasiallehrer für Deutsch und Religion warf alle Zweifel, ob er dem Ganzen gewachsen sein würde, über den Haufen und entschied sich dafür, volle drei Jahre Elternzeit zu nehmen.
Dabei hatte er die Reaktionen von Kollegen und Nachbarn total unterschätzt: so wurde er entweder mitleidig belächelt oder er stieß auf blankes Entsetzen. Seine Chefin nahm ihm diese Entscheidung sogar persönlich übel und drohte damit, dass er als Lehrer an ihrer Schule nicht mehr zu unterrichten brauche. Dann wurde auch noch versucht, ihn bis zum Beginn der Elternzeit rauszumobben.
Drei Jahre später musste sich Hermann Ehmann tatsächlich einen neuen Job suchen, aber die aufregenden ersten Jahre mit seinem Sohn hat er in Buchform unter dem Titel "Mein Leben als Mutti - Ein Papa in Elternzeit" zusammengefasst.
Der Elternzeit-Exot (weniger als 1 % aller Väter nehmen die vollen drei Jahre Elternzeit) stürzte sich in das "größte Abenteuer seines Lebens" und tauchte hoch motiviert, aber völlig ahnungslos in die faszinierende Welt der Pasta-Bambini-Gläschen und Hightechwickelbomben ein. In 25 kurzen Geschichten schildert er, was er als Y-Chromosomenträger unter lauter Müttern tagtäglich erlebte.
Von Mutter-und-Kind-Gruppen, bei denen er von Geschlechts wegen keinen Zutritt hatte über Mutter- und Kind-Stellplätze im Einkaufszentrum, wo er fast mal abgeschleppt worden wäre: Als Vater in Elternzeit fällt Hermann Ehmann überall ungewohnt auf und kämpft an allen Fronten mit Ablehnung und Kopfschütteln.
Doch er nimmt alles mit Humor und zahlt zähneknirschend am Vatertag (!) als einziger Papa im Zirkus den vollen Eintritt, obwohl Muttis am 1. Spieltag kostenlos hereinkommen sollten. Am Münchner Flughafen durfte er als Vater mit seinem Sohn nicht nach Mallorca ausreisen, weil die Polizisten Angst hatten, er würde den kleinen Simon entführen. Das Finanzamt wollte ihm nicht glauben, dass er keine Einkünfte hatte und die Rentenversicherung konnte sich partout nicht vorstellen, dass die Erziehungszeiten ihm zugerechnet werden sollten.
Hermann Ehmann deckt schonungslos auf, wo unsere Gesellschaft noch immer Probleme mit einem Vater in Elternzeit hat. Er legt den Finger tief in die Wunde und dreht ihn so manches Mal auch noch genüsslich um. In "Mein Leben als Mutti" schildert er immer mit einem Augenzwinkern und ohne erhobenen Zeigefinger Dutzende Situationen, die andere Väter in Elternzeit so oder so ähnlich auch erfahren haben.
Daher wird sich auch jeder Papa, der auch nur kurze Zeit die Entwicklung der eigenen Kinder in Elternzeit begleitet hat, unmittelbar mit den Geschichten von Hermann Ehmann identifizieren können. Doch "Mein Leben als Mutti" scheint umgekehrt auch auch bei den Müttern zu funktionieren: denn über die Spezies der "Supermuttis", die in diesem Buch diverse Seitenhiebe über sich ergehen lassen muss, können wohl beide Geschlechter ganz herzhaft lachen.

Insofern ist "Mein Leben als Mutti" mal wieder ein Buch, mit dem man nur wenig falsch machen kann: Jeder (angehende) Papa wird sich königlich mit diesem Buch amüsieren, auch wenn er nicht selbst drei Jahre in Elternzeit gehen wird. Und für jede Mama, die nach der Geburt ihres Kindes weiterhin Karriere machen will, sind die knapp 10,- Euro (Stand: Februar 2010) für das Buch die vielleicht beste Motivationshilfe für den eigenen Partner in Elternzeit.
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5 Kommentare
Marco
Ansonsten klingt sein Buch sehr interessant.
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