HELLP-Syndrom
Markus Niesen | 10. Mai 2010 | Gesundheit
Das HELLP-Syndrom ist eine der schwersten Komplikationen einer Schwangerschaft: die Krankheit entwickelt sich oft innerhalb von Stunden und endet fast immer mit einem Not-Kaiserschnitt.
Die wenigsten Schwangeren können wohl mit dem Begriff "HELLP-Syndrom" überhaupt etwas anfangen, aber die Wahrscheinlichkeit daran zu erkranken ist gar nicht so klein: es tritt ca. einmal bei 150 bis 300 Schwangerschaften auf.
Beim HELLP-Syndrom handelt es sich um eine schwere Leberfunktionsstörung, die eine massive Störung der Blutgerinnung zur Folge hat. Die Symptome lassen sich leicht mit einer Magen-Darm-Grippe verwechseln, weil die typischen Anzeichen eben Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall sind. Mehr als 90% der Betroffenen klagen jedoch über mehr oder weniger stark ausgeprägte Schmerzen im rechten oberen Bauchraum knapp unter dem Rippenbogen und damit genau dort, wo die Leber sitzt.
Wer an einem HELLP-Syndrom erkrankt gehört unmittelbar in eine Klinik, denn es drohen u.a. Plazentaablösung, Nierenversagen, Gehirnblutungen und multiples Organversagen. Sowohl das Leben der Schwangeren als auch das Leben des ungeborenen Babys sind akut gefährdet.
Leider werden "Schwangere mit Bauchschmerzen" beim Arzt oft nicht richtig ernst genommen und in vielen Fällen ohne eine eingehendere Untersuchung auf das HELLP-Syndrom wieder nach Hause geschickt. Denn die begleitenden Krankheitsanzeichen (erhöhter Blutdruck, Eiweiß im Urin, Flüssigkeitseinlagerungen unter der Haut, etc.) können - aber müssen nicht unbedingt - auftreten und lassen zudem auch auf ganz andere Krankheitsbilder schließen.
Zur genaueren Abklärung ist eine Laboruntersuchung der Leberwerte notwendig, denn nur so kann man das HELLP-Syndrom eindeutig nachweisen. Dabei zeigen sich dann auch die Laborsymptome, die zu dem durchaus doppelsinnigen Namen HELLP geführt haben:
- H-, Hämolysis (Blutzerfall)
- EL-, Elevated Liver Enzymes (Erhöhung der Leberwerte)
- LP-, Low Platelets (Verminderung der Blutplättchen)
Da es beim HELLP-Syndrom durch die Verminderung der Thrombozyten zu inneren Blutungen kommen kann und mit zunehmender Dauer die Leberzellschädigung stetig weiter zunimmt, müssen die Ärzte schnell handeln. Auf die Schwangere wartet damit fast immer ein Kaiserschnitt. Die Schwangerschaft wird abgebrochen, damit das Leben des Babys und der Mutter nicht länger gefährdet ist.
Durch die vorgezogene Entbindung wird zwar der Verlauf des HELLP-Syndroms nicht unterbrochen, aber durch die Geburt der Plazenta wird die Schwangerschaft hormonell beendet und die Symptome bilden sich innerhalb weniger Tage zurück. Bleibende Schäden sind eher selten. Ab und zu berichten Betroffene jedoch von Störungen des Kurzzeitgedächtnisses.
Viel wichtiger scheint allerdings die weitere psychologische Betreuung der Mutter zu sein: sie hatte sich alles rund um die Geburt so schön ausgemalt. Doch durch das HELLP-Syndrom gab es statt Wassergeburt oder Geburtshaus plötzlich eine unverzügliche Einlieferung ins Krankenhaus mit einem Not-Kaiserschnitt. Innerhalb weniger Stunden waren die schönsten Träume zerplatzt.
Hilfe für Betroffene und weitere Informationen zum HELLP-Syndrom für alle interessierten Schwangeren gibt es u.a. bei der Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen. Darüberhinaus findet man im Internet viele weitere Websites zu diesem Thema, die aber das HELLP-Syndrom nicht unbedingt für den Laien verständlich erklären.

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16 Kommentare
Sehr schön! So genau habe ich anscheinend gar nicht über das Bild nachgedacht. Gut aufgepasst!
Mensch, ich hab schon eine Weile nicht mehr bei Dir vorbei geschaut. Also meine Schwester hatte das und es war einfach nur ganz schlimm. Ich kann tatsächlich nur warnen. Es geht superschnell und beide-meine Schwester und ihr Baby waren unter akuter Lebensgefahr-Baby wurde zu früh geboren und meine Schwester erholte sich nur sehr langsam, dazu der Schock über die viel zu frühe Geburt. Heute ist alles super, kaum zu glauben, dass meine Nichte mal soooooooooooo klein war. LG Kaddi
Ich selbst habe letztes Jahr auch eine Tochter bekommen und bin ab dieser Krankheit erkrankt.Bei mir brach die Krankheit aber erst NACH dem Kaiserschnitt aus.SOwas gibt es auch.Es war ganz shclimm.Bei mir kam alles wie oben beschrieben und noch einiges mehr:(.Ich bin noch nciht darüber hinweg und denke täglich daran.Es war so eine shclimme Zeit.Für mich und auch für emien Familie die 2 Monate täglich an meinem Bett saß:(.
Aber meiner kleinen Maus geht es super und mir auch immer besser:).
Danke für den Büchervorschlag, Ute.Die werde ich mir mal zulegen.
LG
Luna
Liebe Grüße, Sina
Die Betroffenen können ja auch noch einmal ihre Erfahrungen im weiteren Verlauf schildern.
jaaa..ich kannte das Hellp bisher auch nicht....
hatte leider am Ende meiner Schwangerschaft damit zu kämpfen. Natürlich erfolgte ein Notkaiserschnitt..da ich wirklich starke schmerzen hatte.
Das ganze ist jetz ca. 10 Tage her...Mäuschen und ich sind zu Hause.
Ich bin sehr froh, dass das Hellp erkannt wurde und wir somit keiner grösseren Gefahr ausgesetzt wurden.
Was mir jetzt jedoch seit 2 Tage auffällt:
starke Müdigkeit...
Kopfschmerzen...
Appetitlosigkeit und leichte Sehstörungen.
War heute bei meinem Gyn und habe mir Blut abnehmen lassen. Hoffe es gibt eine gute erklärung für meine Symptome. Aber denke, dass es mit dem Hellp zu tun hat.
Wie auch immer....hoffentlich hören diese ganzen Nebenwirkungen bald auf..sodass ich mich zu 100 % auf meinen Kleinen konzentrieren kann.
Viele liebe Grüße
Eva mit Jayden (11 Tage alt) :D
bin soeben auf diesen Blog gelangt.
Meine Schwangerschaft ist bereits 9 Jahre her, Zwillinge. Beide mußten 6 Wochen vor der Geburt geholt werden, da ich auch dieses Hellp-Syndrom bekam. Notkaiserschnitt und anschließend Koma, künstlich ernährt künstlich beatmet. Ärzte konnten damals meinen Eltern nicht sagen, ob ich es schaffe oder nicht. Noch heute auch 9 Jahre danach habe ich meine probleme mit diesem Ereignis und bin seid 2007 in psychologischer Behandlung. Gerne würde ich mich mit anderen Mamas austauschen über dieses Erlebnis und wie ihr damit umgeht. Vergessen kann man dies nicht und ich habe heute noch gut damit zu tun.
Würd mich freuen, wenn ihr mir schreibt.
LG
Diana
Probleme mit der Atmung hatte. Mir ging es den Umständen entsprechend gut. Wenn ich immer wieder lese wie diese Krankheit enden kann haben wir beide ziemliches Glück gehabt und ich bin jeden Tag dankbar dafür daß mein Kind gesund ist. Er ist nun 14 Monate alt, kerngesund und ein fröhliches aufgewecktes Kerlchen! Ja wir haben einfach Glück gehabt!!!
auch ich bin leider an dem HELLP - Syndrom erkrankt.
Obwohl ich Arzthelferin bin, war mir das HELLP - Syndrom genzlich unbekannt.
Zuerst bekam ich den berüchtigten Schwangerschaftsdiabetes plus Insulin spritzen.
Als das alles gut eingestellt war hatte ich auf einmal Oberbauchbeschwerden u Erbrechen.
Im Krankenhaus musste ich dann glatte fünf Stunden warten damit mir gesagt wird, das doch alles OK sei.
In der Nacht dann das Gleiche in grün.
Somit Notaufnahme, Nierenstau auf beiden Seiten, sonst alles ok.
Dann kam einen Tag später die Nachricht, Einleitung.
Doch bei einer ist es nicht geblieben, sondern es wurden dann 7 Einleitungen.
Ich war fix und fertig und meine Leberwerte wurden schlechter.
Dann Einleitung mit dem Wehentropf:" Endlich geht es los.", dachten wir.
Nachdem ich dann von morgens um acht bis abends um acht in den Wehen lag, wurde dann anhand meiner Blutwerte festgestellt :" HELLP - Syndrom!" Sofort Notkaiserschnitt und die Frage an meinen Freund:" Wen sollen wir, wenn es so weit kommen sollte, retten? Mutter oder Kind?" Absolut Horror!!!! Für alle.
Im OP lag ich dann noch mit Wehen bis ich dann die Narkose bekommen hab.
Aber um 21:02Uhr wurde unser Sonnenschein Filina, mit 2370g und 47cm, total gesund, geboren.
Mir ging es danach erstaunlich gut.
Also auch wir haben richtig viel Glück gehabt.
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